Das historische Allodium

An der Stelle des historischen Pfarrhofs in Cronheim stand ursprünglich das um 1140 errichtete und bewehrte Allodium des Rittergutes Cronheim. Es ist Teil der ehemaligen Vorburg des Schlosses Cronheim. Die Grund- und Erdgeschossmauern des Herrenhauses wurden beim Umbau 1749 teilweise wiederverwendet. Es ist damit eines der ältesten Gebäude am Ort.

 

Das 1749 nach Plänen des fürstbischöflichen Bauinspektor Matthias Seybold umgebaute Herrenhaus des historischen Allodiums

Die Gründung des Ortes Cronheim geht wohl auf den ursprünglichen Meierhof, der zum Kloster Heidenheim gehörte, zurück. Durch Burchard von Cronheim, der bei einer Schenkung des Wolftrigel und Diemo von Fronhofen als Zeuge im Schenkungsbuch der Propstei Berchtesgaden genannt wird, trat urkundlich um 1140 ein Ortsadel in Erscheinung. Ob Burchard durch besondere Verdienste mit dem Rittergut Cronheim belohnt wurde und sich dann danach benannte oder ob diese Familie schon vorher am Ort saß und das Eigengut schon früher besaß, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass Burchard um 1140 vom König, der das Burgenbauregal besaß, die Erlaubnis erhielt, auf dem reichsfreien Rittergut ein Allodium, einen befestigten Hof, zu errichten. Als Schirmherr war er verpflichtet, seinen Untertanen hinter den Mauern des Allodiums Schutz zu gewähren. Dafür waren Abgaben zu entrichten und Frondienste zu leisten. Das Allodium Cronheim war ein reichsfreies Rittergut, das somit ursprünglich keiner landesherrlicher Besteuerung unterworfen war. Zum Allodium gehörten sowohl die Niedere- als auch die Hohe Gerichtsbarkeit. Der Gerichtshof befand sich etwa 15 Meter südlich vom Herrenhaus. Ein Rittergut entstand durch die Verbindung eines möglichst repräsentativen Wohnsitzes zusammen mit einem Gutshof für dessen Versorgung. Im 12. bis 15. Jahrhundert wurden solche Höfe zunächst als Allodium oder Dominicale und schließlich als Vorwerk bezeichnet. Seinen Sitz errichtete Burchard etwa 400 Meter nördlich des Heidenheimer Meierhofs. Ob er zeitgleich im dortigen Stauweiher bereits einen ersten bescheidenen, auf Pfählen ruhenden Wohnturm errichtet hat, Vorgängerbau des heutigen Schlosses Cronheim, oder ob die ersten Generationen seiner Familie zunächst im Herrenhaus des Allodiums wohnten, ist nicht bekannt.

 

Der Standort des Allodiums richtete sich nach dem damaligen Straßennetz, das, zumindest als einfache Wege weiterbestehend, auf die römischen Militärstraßen zurückging, die sich an dieser Stelle kreuzten. Eine Route führte von Nordwest/Südost von Rothenburg ob der Tauber über Herrieden, Arberg, den Limes bei Cronheim kreuzend nach Süden über Gnotzheim nach Regensburg. Eine mögliche weitere Route von Nordosten nach Südwesten führte von Nürnberg über Schwabach, Cronheim, Oettingen, Nördlingen nach Ulm und eine Ost-West-Verbindung von Gunzenhausen gegen Westen zum strategisch wichtigen Hesselberg und nach Dennenlohe. Das Ziel der Anlage waren die Kontrolle dieser strategisch wichtigen Handelswege und die damit verbundenen Einnahmen.

 

Ob das Allodium, heute eher als Wirtschafts- oder Gutshof bezeichnet, sofort in Massivbauweise oder zunächst in Holz errichtet wurde, ist nicht bekannt. Spätestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stand an dieser Stelle ein massives Wohnstallhaus das mit eigener Ringmauer, Tor und Wassergraben bewehrt war. Der Innenhof des Allodiums bot so Schutz für die Untertanen die sich bei Gefahr dahin zurückziehen konnten. Das Aufkommen von Feuerwaffen zu dieser Zeit erschwerte die Verteidigungsfähigkeit des alten Vorwerks, das, lediglich durch einen kleinen Burggraben und der Ringmauer geschützt, direkt an der Straße lag. Hans von Cronheim sah sich nun veranlasst, die Wehrhaftigkeit der Anlage zu verstärken sowie die Lagerkapazität zur Lagerung der Zehntabgaben zu erweitern. Er entschied sich, die Nord-Süd-Achse des Herrenhauses in Richtung Süden bis zum damaligen Amtsknechthaus (heute Werkstätte der AWO) mit einer Ringmauer zu verlängern und eine zusätzliche Toranlage mit Zugbrücke einzubauen. Gegen Norden errichtete er eine Zehntscheune die sich an die Ringmauer des Allodiums anschloss. Zur Kirche St. Maria Magdalena zog er eine Mauer mit einem Tor Richtung Süden. Damit war die Wasserburg, deren Bau spätestens im 13. Jahrhundert begann, durch eine große Vorburg mit Schlosshof Richtung Osten geschützt. Der Bevölkerung stand dadurch ein weitaus größer bewehrter Innenhof zur Verfügung der es nun auch erlaubte Wagen und Tiere der Bauern im Angriffsfall Schutz zu bieten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt diente das Herrenhaus des Allodiums nicht länger als Sitz der Herren von Cronheim, die mittlerweile in die gut ausgebaute und repräsentativere Wasserburg umgezogen waren. Das alte Herrenhaus des Rittergutes war nun von der Ortsherrschaft als Patronatsherr an die Kirche vermietet, die darin ihr Pfarrhaus einrichtete.

 

Hans von Cronheim und der Dorfpfarrer von Cronheim, aus dem Geschlecht derer von Bernheim, werden als Helfer des berüchtigten Raubritter Eppelein von Gailingen genannt. In den Prozessakten ist darüber vermerkt: "Item zu Cronheim sind sie uber naht gewesen und Hensel zu Cronheim hat sie gehauset. Item der pfaff vor derselben purg hielt sie auch, der ist der Bernheimer veter..." Das Verwandtschaftsverhältnis des Pfarrers legt nahe, dass Eppelein von Gailingen zusammen mit seinem Schwiegersohn (Ehemann seiner Tochter Anna) Hermann von Bernheim und dessen Bruder Dietrich im Allodium unterschlupf fanden wo auch ihr Vetter lebte. Die Geschichte wurde 2008 nach dem Drehbuch von Peter Klewitz unter dem Namen "Ekklins Knecht" verfilmt. Hans von Cronheim, gespielt von Klaus Jugl, wird darin als Verräter des Eppelein dargestellt was den wirklichen Geschichtsverlauf so wohl nicht korrekt wiedergibt. 1397 wurde die Zehntscheuer in einer Fehde des Hans von Cronheim mit Heinrich und Hartung von Wiesenthau niedergebrannt. Das Wohngebäude scheint davon verschont geblieben zu sein, wohl deshalb, weil der Pfarrer darin wohnte. Auch als 1403 der Nürnberger Burggraf Johann III. die Wasserburg Cronheim zerstörte, wird nicht berichtet, dass dabei auch das Allodium zerstört wurde.

Um 1477 erweiterte Wilhelm von Cronheim die Gesamtanlage gegen Süden in dem er die Ortskirche St. Maria Magdalena zu einer Wehrkirche ausbaute wodurch eine weitere Vorburg zum Schutz des Schlosses entstand. Damit erstreckte sich die Gesamtfläche der Anlage inklusive der beiden Vorburgen (ohne Weiher) auf nahezu 8000 m².

 

Bis 1560 war Cronheim eine katholische Pfarrgemeinde, die durch die Einführung der Brandenburgischen Kirchenordnung zum Protestantismus wechselte. Der damalige Pfarrer und Bewohner des Ritterguts, Georg Haß, nach Ried Johann Haß, hatte bereits 1558 unter dem Schutz des Hauses Brandenburg-Onolzbach seine Köchin im benachbarten Stetten geheiratet. Am 23. Mai 1564 beklagte sich Pfarrer Haß über den Zustand seiner Behausung im Pfarrhof Cronheim. Er gab an, dass er bereits vor 1560 in das Frühmesshaus umgezogen sei, da das Pfarrhaus baufällig geworden war. Nun sei aber auch das Frühmesshaus baufällig. Ferner gab er an, dass die Herren von Leonrod, die nun Eigentümer des Rittergutes waren, ihn aus dem Frühmesshaus vertreiben wollten, sein Einkommen von 80 Gulden aber nicht ausreiche, die Renovierungsarbeiten selbst durchführen lassen zu können. Der Markgraf versprach am 28. Mai 1564, sich bei den Herren Leonrod für die Ausbesserung des Pfarrhofes zu verwenden, doch noch 1571 waren keine Arbeiten daran erfolgt. Am 23. Oktober 1573 starb Pfarrer Haß. 1580 kam das Rittergut Cronheim an Sebastian Neustädter genannt Stürmer, der es bereits 1592 inklusive der von ihm zwischenzeitlich erworbenen Pfarrei und der Frühmesse von Cronheim an seinen Schwager Friedrich von Eyb zu Eybburg weiterverkaufte, der das Schloss Cronheim aufwendig umbauen ließ. Die Ausgaben für den Ausbau des Schlosses führten zu finanziellen Problemen so dass er gezwungen war, Teile seiner Besitzungen zu verpfänden. Dies hatte auch Folgen für die dringend notwendigen Reparaturen am Allodium, die wohl daraufhin weiter aufgeschoben wurden.

 

Die im 16./17. Jahrhundert wechselnde Glaubensrichtung des Ortes Cronheim führte zeitweise dazu, dass sowohl ein katholischer als auch ein protestantischer Pfarrer Anspruch auf die Ortskirche erhob. Der protestantische Pfarrer Johann Boeckler, Vater der berühmten Gebrüder Boeckler, sollte nun aus dem Ort vertrieben und durch den katholischen Priester Wagner ersetzt werden, der im alten Pfarrhof Quartier bezog. Unter dem Glaubensstreit zwischen der protestantischen Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und dem Eichstätter Bischof geriet Boeckler zunehmend unter Druck. Der Vater, der seine Kinder zeitweise selbst unterrichtete, wurde 1628 im Zuge der vom „Hexenbischof“ Johann Christoph von Westerstetten energisch betriebenen Gegenreformation zum Amtsverzicht gezwungen und 1634 endgültig aus Cronheim vertrieben. Er war der letzte evangelische Pfarrer von Cronheim. Seine Söhne Johann Heinrich Boeckler (* 13. Dezember 1611 in Cronheim; † 12. September 1672 in Straßburg) und der Architekt und Erfinder Georg Andreas Böckler (* um 1617 in Cronheim; † 21. Februar 1687 in Ansbach) erlangten Berühmtheit. Johann Heinrich wurde gar 1663 durch Kaiser Ferdinand III. zum kaiserlichen Rat und Pfalzgrafen ernannt. Ob der alte Pfarrhof das Geburtshaus der Gebrüder Boeckler war, wie allgemein beschrieben, ist umstritten, da sich zur fraglichen Zeit der alte Pfarrhof in einem sehr schlechten Bauzustand befand und deshalb das Frühmesshaus als Wohnhaus vorgezogen wurde.

 

Größere Umbauten am Gutshof scheint es seit der Beschwerde von Pfarrer Haß 1564 nicht gegeben zu haben, denn auch Wagner beklagte sich bitterlich über den Bauzustand des Gebäudes. Am 6. Januar 1631 schrieb er an den Fürstbischof von Eichstätt, dass er nur „mit Lebensgefahr“ darin wohnen könne, da der Pfarrhof nur noch stünde, weil er auf vier Stützen hänge. Ausbesserungsarbeiten wurden nun genehmigt, aber nicht ausgeführt. Der Grund dafür darf im Besitzverhältnis des Herrenhauses vermutet werden, welches zur Ortsherrschaft als Patronatsherr gehörte und lediglich der Kirche als Pfarrhaus vermietet wurde.

 

Nach einem Bericht aus dem Jahre 1635 waren infolge des Dreißigjährigen Krieges in Cronheim neben dem Pfarrhof lediglich die Kirche, die Schmiede und die Ziegelhütte unversehrt geblieben, was den Angaben des ehemaligen Vogtes Grünwinklers widerspricht, der beschrieb, dass die Vorburg beim Einbruch der Truppen Gustav Adolfs 1632 gebrandschatzt wurde; ob von schwedischen oder kaiserlichen Truppen, war nicht belegbar. Dieser Widerspruch ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Pfarrer nicht im eigentlichen Pfarrhof, sondern im Frühmesshaus wohnte und dieses als Pfarrhaus angesehen wurde. Erst mit dem Verkauf des Rittergutes durch die Herren Notthafft am 10. Januar 1671 gelang es Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell, das Gut mit dem daran gebundenen Patronatsrecht samt dem Grundbesitz des Rittergutes an das Bistum Eichstätt zu bringen. Somit ging nun auch das Eigentumsrecht am Allodium an das Bistum, das nun nicht länger Mieter sondern Eigentümer der Anlage war. 1674 wurde daraufhin der Platz teilweise von den Trümmern geräumt, das Haus zunächst jedoch nicht wieder aufgebaut. 1700 wurde deshalb im Schloss Cronheim, dass nun ebenfalls zum Bistum Eichstätt gehörte, die Meierei als Wohnung für den Pfarrer hergerichtet.

 

Barockisierung – Der neue Pfarrhof

 

Nachdem das alte Herrenhaus des Allodiums bereits seit 1632 in Trümmern gelegen hatte, legte am 2. März 1748 der fürstbischöfliche Bauinspektor Matthias Seybold Pläne für den Um- beziehungsweise Wiederaufbau des alten Hofs im Stil des Spätbarock vor. Sein Plan sah vor, dass das Haus auf das zum Teil vorhandene Erdgeschoss des alten Herrenhauses aufgesetzt werden sollte. Dabei musste lediglich die Außenmauer gegen Norden von Grund auf neu errichtet werden. Es war geplant, Hölzer und Dachziegel des alten Pfarrhofes wieder zu verwenden. Dies scheiterte jedoch am schlechten Zustand der Balken. Weiter sahen die Pläne Seybolds vor, das damals noch einstöckige alte Amtsknechtshaus (später Schulhaus und heute Werkstätte der AWO) als Stall des Pfarrhauses zu verwenden. Diese Pläne wurden von der Baukommission des Bistum Eichstätt genehmigt. 1749 wurde unter dem Eichstätter Bischof Johann Anton II. von Freyberg der neue Pfarrhof eingeweiht.

 

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Die Beschreibung der Bauwerke

Das Allodium 1670

Zum Allodium gehörten im 14. Jahrhundert neben einer eigenen Ringmauer ein Herrenhaus und die Zehntscheuer. Mit einer eigenständigen umlaufenden Ringmauer, die das Herrenhaus und die Zehntscheune verband, und dem Burggraben bildete dies einen eigenständigen Wehrkomplex. Es verfügte über einen eigenen Innenhof, der mit einer separaten Toranlage gegen Osten zur Hauptstraße hin gesichert war und wohl auch einem Tor Richtung Westen. Die Ringmauer im Westen zog sich wohl nicht vollständig um das Herrenhaus. Dies lässt sich in einem Lageplan von 1977 erkennen. Zu diesem Zeitpunkt existierten noch weite Teile der einstigen Ringmauer, zum Teil als Traufwand der 1755 errichteten Pfarrscheune. 

 

Ein Katasterplan von 1825 lässt vermuten, dass das Grundstück des Allodiums (Nr. 137 im Plan) Richtung Süden bis zum Amtsknechthaus reichte. Unklar dabei ist, ob diese Einteilung erst nach 1749 vorgenommen wurde, als das Amtsknechthaus als Stall des Pfarrhofs genutzt wurde, oder ob dieser Grundstücksverlauf tatsächlich für das Allodium zutraf. Dabei wäre der alte Gerichtshof, der sich an dieser Stelle befand, als Teil dessen anzusehen.

 

Das Alte Herrenhaus
Das Herrenhaus, später als altes Pfarrhaus bezeichnet, war ursprünglich ein Satteldachbau im Stil der Romanik, der sich traufseitig nahezu über die gesamte Länge parallel zur Hauptstraße bis zum heutigen Tor des Kindergartens hinzog. Dieses Tor war vermutlich mit einer eigenen Zugbrücke bewehrt. Das Gebäude wurde wahrscheinlich bereits um 1140 in Massivbauweise als ein Festes Haus errichtet, wohl zunächst noch ohne eine separate Zehntscheune, die vermutlich erst im 14. Jahrhundert hinzukam. Der herrschaftliche Charakter der Kemenate zeigt sich neben den beiden massiven Vollgeschossen auch am großen Kamin, der zentral im Südteil des Hauses lag. Grundlage für die Annahme, dass der Bau der separaten Zehntscheune nicht zeitgleich mit dem Bau des Herrenhauses erfolgte, ist eine Zeichnung, die um 1670 das Schloss Cronheim sowie die beiden Vorburgen zeigt. Dort sind die Zufahrten zur Zehntscheune nur vom Schlosshof der Vorburg zugänglich, nicht jedoch vom Innenhof des Allodiums aus, zu dem die Scheune genau genommen gehörte. Dieser Innenhof war mit einem separaten Toren und einer Ringmauer bewehrt, wie das auf der Zeichnung ersichtlich ist. Ein giebelseitiges Tor der Scheune, welches zu diesem Innenhof geführt hätte, oder eine Tür fehlen hingegen vollständig. Ein innenhofseitiger Zugang wurde entweder zugemauert oder hat nie existiert. Daraus lässt sich schließen, dass die Zehntscheune mit den beiden Toren zum Schlosshof erst dann errichtet wurde, als der Ausbau der Gesamtanlage als Vorburg des Schlosses bereits abgeschlossen war. Das würde auch die langgestreckte Bauform des Herrenhauses erklären, welches somit ursprünglich eine Doppelfunktion als Herrenhaus und Zehntscheune hatte. Darauf, dass das befestige Allodium bereits bestand, als die Vorburg im 14. Jahrhundert mit einer erweiterten Ringmauer mit einer zusätzlichen Toranlage und einer Zugbrücke in Richtung Osten ausgebaut wurde, verweisen Berichte.

Nachdem das eigenständig bewehrte Allodium in das Gesamtkonzept der ganzheitlichen Vorburg eingebunden worden war, wurde der westliche Teil der ursprünglichen Ringmauer des Allodiums nicht weiter benötigt. Sie scheint aber dennoch nicht abgetragen worden zu sein, denn sie diente vermutlich beim Bau der neuen Pfarrscheune 1755 als Rückwand gegen Westen. Auch das Westtor, mit Rundbogen und Doppelflügel, ist noch in einer Zeichnung der Schlossanlage, die nach Häffner um 1803 wohl von Freiherr von Montgelas in Auftrag gegeben wurde, deutlich zu erkennen.

Wie das Gebäude ursprünglich einmal aussah lässt sich am Beispiel des Romanische Haus in Bad Kösen rekonstruieren, welches auch in den Abmessungen dem Allodium in Cronheim sehr nahe kommt (Romanisches Haus Bad Kösen:  31 m lang und 11 m breit. Ursprüngliches Hauptgebäude Allodium Cronheim 29.1 m lang und 11.9 m breit).

Zum Herrenhaus, dem Vorgängergebäude des heutigen Pfarrhofs, zählen die Grundmauern im Erdgeschoss gegen Westen, Süden und Osten einschließlich der Mauer bis zum heutigen Kindergarten. Die Gesamtlänge dieser Mauer einschließlich der Ostwände des Backhauses und des Pfarrhauses dürfte die gesamte Länge des alten Herrenhauses nebst Stallungen widerspiegeln.

 

Die Zehntscheuer
Die gewaltige alte Zehntscheuer stand seitlich versetzt hinter der erst wesentlich später errichteten Pfarrscheune. Nachdem sie 1632 zusammen mit dem Pfarrhaus bei Truppendurchmärschen im Dreißigjährigen Krieg teilweise niedergebrannt worden war, wurde sie noch vor dem Herrenhaus wieder aufgebaut. Aus Zeichnungen, welche die Anlage um 1661 zeigt, ist zu schließen, dass die Zehntscheune gegen Osten hin einen Vollgiebel besaß, gegen Westen hin jedoch abgewalmt war. Mit Ausnahme der Mauern im Erdgeschoss wurde das Gebäude später abgebrochen. Von der alten Zehntscheune stehen noch die Mauern des Erdgeschosses samt Torzufahrt zum Schlosshof, die vom Kindergarten als Einfriedung des Gartens benutzt werden.

 

Die Ringmauer und Toranlage
Die Ringmauer im Osten schloss sich direkt an das Herrenhaus an und steht noch heute komplett. Ob die Mauer zwischenzeitlich durch neues Mauerwerk ersetzt wurde oder ob es sich tatsächlich noch um die ursprüngliche Mauer handelt, ist nicht erforscht. So verhält sich das auch mit der Toranlage gegen Osten (heute Kindergartentor), deren ursprüngliche Rundbogenabdeckung nicht mehr vorhanden ist.

 

Der neue Pfarrhof
Der Pfarrhof bestand ursprünglich aus einem Gebäudekomplex, zu dem auch ein Stall, eine Scheune und ein Backhaus gehörten, von denen neben dem Hauptgebäude lediglich das Backhaus und Teile der ursprünglichen Umfassungsmauer erhalten blieben.

 

Das barockisierte Pfarrhaus
Das historische Pfarrhaus in Cronheim wurde 1749 unter Einbeziehung der Grundmauern des Herrenhauses der alten Burg Cronheim nach Plänen des Architekten und eichstättischen Bauamtsinspektors Matthias Seybold im Stil des Spätbarocks umgebaut.

Grabungsarbeiten, die im Zusammenhang mit den denkmalpflegerischen Untersuchungen 2009 an der dem Schlosshof zugewandten Seite ausgeführt wurden, ergaben, dass die Grundmauern dort wesentlich älter sind als das 1749 umgebaute Gebäude. Es wurde richtig vermutet, dass es sich dabei um Mauerwerk der alten Niederungsburg handelt, die ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen Teil der Vorburg des Schlosses Cronheim bildete. Dies ist auch durch eine Zeichnung des Schlosses Cronheim von 1661 belegt, die sich im Diözesanarchiv Eichstätt befindet. Nach Ried sind neben der Pfarrhausgrundmauer im Nordwesten auch die Grundmauern im Südwesten und Südosten (inklusive der Mauer das alten Backhauses und der Holzlege) Teile des Vorgängergebäudes und damit Teil des alten Herrenhauses des Allodiums, an das sich südlich die Ringmauer und das Osttor der Vorburg anschlossen.

Beim Pfarrhaus handelt es sich um einen zweigeschossigen Walmdachbau, der teilweise mit einem sehr sorgfältig gearbeiteten kreuzförmigen Tonnengewölbe mit zylinderförmigen wagrechten Stichkappen beziehungsweise einer steigenden im Zugangsbereich unterkellert ist. Das Straßenniveau lag ursprünglich rund 60 cm tiefer als heute, so dass eine Freitreppe zum Haupteingang führte, von der lediglich noch die oberste Stufe über das Straßenniveau herausragt. Das Dachwerk ist eine außerordentlich qualitätvolle barocke Zimmermannskonstruktion, die offenkundig aus der Erbauungszeit von 1749 stammt. Es handelt sich um ein allseitig abgewandtes Dach mit liegendem Stuhl und sorgfältig ausgebildeter Kehlbalkenkonstruktion. An der dem Schloss Cronheim zugewandten Westseite des Daches befand sich ursprünglich ein großer Aufzugsgiebel, der im Februar 1874 bei Ausbesserungsarbeiten am Dach beseitigt wurde.Rechts und links neben dem Aufzugsgiebel befand sich je eine Walmdachgaube. Auch diese wurden wohl bei den genannten Ausbesserungsarbeiten durch einfache Dachfenster ersetzt.

Auch historische Inneneinrichtungen wie Türstöcke und der größte Teil des Türbestands, Fußböden mit breiten Dielen und insbesondere die Treppe mit aufwändig gestalteten Treppenbalustern am Treppengeländer aus der Zeit des Spätbarocks blieben erhalten. Die Grundrissstruktur des Gebäudes ist weitgehend unverändert. Im Obergeschoss verbindet ein großzügig angelegtes Foyer die Räume. Die Räumlichkeiten des Dienstpersonals befanden sich in einem Mezzanin oberhalb des Gewölbekellers, wodurch die Raumhöhe in diesen Räumen lediglich knapp zwei Meter beträgt gegenüber einer Raumhöhe von etwa 2,90 Metern der übrigen Räume im Erdgeschoss. Einige Wände und Decken sind mit einfachen Schablonenmalereien jüngeren Datums versehen, die teilweise übermalt wurden. Die Fensternischen sind bis auf Fußbodenhöhe ausgeführt.

 

Das Backhaus
Wie es scheint, gelang [[Matthias Seybold]] auch mit dem Bau des Back- und Waschhauses eine minimalistische Lösung. Die Lage des Mauerwerks lässt vermuten, dass zumindest die Grundmauern der Zwischen- und Außenwände des Vorgängerbaus verwendet wurden. Diese trennten einst den Stall vom Wohnteil in Richtung Süden und von der Scheune in Richtung Norden. Die Mauer im Osten war die Außenwand des Allodiums. Für deren neuen Verwendungszweck mussten die Trennwände lediglich gekürzt und abgemauert werden. Ein hölzerner Schweinestall war nördlich an das Backhaus angebaut. Er wurde 1906 abgerissen und als Holzlege umgebaut.   

Das Backhaus wurde zeitgleich mit dem Pfarrhaus 1749 errichtet. Aus der runden Form der Fundamente lässt sich ableiten, dass der vermutlich als Kuppelofen ausgeführte Backofen ursprünglich an der Stelle des späteren Kohlelagers stand. In diesem Bereich befindet sich noch der alte Ziegelboden. Der Kamin ist noch vorhanden, wurde jedoch kurz unter der Dachkante abgebrochen. Auch ein alter gemauerter Waschkessel befindet sich noch im Backhaus.

 

Die Pfarrscheune
Die in Massivbauweise ausgeführte Scheune, an deren Stelle sich heute überwiegend der Kindergarten befindet, wurde 1755 erbaut, als die Kapazität der vorhandenen Zehntscheune, die mit dem Vogt des Ritterguts geteilt werden musste, nicht mehr ausreichte, um die Abgaben der Untertanen zu lagern. Als Außenmauer zum Schlosshof im Westen diente teilweise die dort vermutete westliche Ringmauer des Allodiums. Die Scheune war im Gegensatz zum Pfarrhaus nicht mit einem Walm- sondern mit einem Satteldach ausgestattet. Zum Innenhof, in Richtung Osten, befanden sich ein kleiner Kellerraum, der über eine Außentreppe erreichbar war, sowie eine Durchfahrt, die dazu diente, Wagen zu be- und entladen, ohne dass diese wenden mussten.

 

Der Stall
Als Stall wurde das ehemalige Amtsknechtshaus verwendet. Später wurde an dieser Stelle das Schulhaus gebaut, heute dient es als Werkstätte der AWO. Nach einer Zeichnung, die um 1670 entstand und das ausgebrannte Gebäude zeigt, trug es ein Satteldach in Ost-West-Richtung. In Richtung Westen war wohl ein Stall oder eine Scheune angebaut, deren Dach nach Westen abgewalmt war und nach Osten wohl auf dem Giebel des Wohnhauses auflag. Es war ebenfalls Teil der östlichen Vorburg. Der Vorhof in Richtung Norden war einst der Gerichtshof des Rittergutes.

 

Brunnen
Der Pfarrhof verfügte über einen eigenen Brunnen, der sich neben dem Backhaus befand. Dieser Brunnen wurde nicht zeitgleich mit dem Pfarrhaus errichtet, denn erst im März 1754 beantragte der Pfarrer seinen Bau, „da er ansonsten sein Vieh zum Judenbrunnen treiben müsse, der dem Markgrafen unterstünde und ihm schon ohnedies Schwierigkeiten mache“.

Erhaltungszustand des mittelalterlichen Allodiums

Vom ehemaligen, bewehrten Allodiuim stehen noch beträchtliche Gebäudereste, wenn dies auch nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Dieser glückliche Umstand ist nebst den verzwickten Eigentumsrechten dem genialen Architekten Matthias Seybold zuzuschreiben, der es unter Einbeziehung großer Gebäudereste des Vorgängerbaus geschickt verstand, das hochmittelalterliche Allodium in einen für diese Epoche zeitgemäßen Profanbau umzubauen.

 

Ringmauer

Die Ringmauer im Osten ist komplett erhalten. Unklar dabei ist, ob es sich um das ursprüngliche Mauerwerk handelt oder ob das Mauerwerk zu einem späteren Zeitpunkt an gleicher Stelle erneuert wurde. Ebenso erhalten hat sich die Ringmauer im Norden. Diese wurde jedoch teilweise als Giebelmauer des Haus 181 verwendet. Die Ringmauer im Westen wurde ebenfalls zu großen Teilen als Giebelmauer, der 1755 errichteten Pfarrscheune, verwendet. Beim Neubau des Kindergartens vor wenigen Jahren wurde die Scheune und damit auch die westliche Ringmauer vollständig abgetragen. Eine Ringmauer im Süden bestand nur teilweise. Hier bildete hauptsächlich das massive Herrenhaus selbst Schutz. Lediglich ein kleiner Mauerstreifen zwischen westlicher Ringmauer und Hauswand schloss dort die Lücke in der Verteidigungsanlage.

 

Tore

Beide Tore, das Osttor wie das Westtor, sind heute nichtmehr in ihrer ursprünglichen Form vorhanden. Dennoch befinden sich noch heute, wohl an exakt gleicher Stelle, die Zufahrten zum Kindergarten (ehemaliges Osttor) und zum Pfarrhaus (ehemaliges Westtor).

 

Herrenhaus

Karl Ried beschreibt, dass der Neubau des Pfarrhauses 1749 auf die teilweise vorhandenen Erdgeschossmauern des Vorgängerbaus aufgesetzt wurde und lediglich eine Mauer von Grund auf neu errichtet werden musste (Nordmauer). Demzufolge geht das Mauerwerk des heutigen Gebäudes im Osten, Süden und Westen auf das alte Herrenhaus zurück. Wie es scheint wurden auch die Wände die den Teil des Herrenhauses vom Wirtschaftstrakt trennten teilweise wiederverwendet (heute Nord und Südmauer des Backhauses). Die Westmauer des Gebäudes wurde etwa zur Hälfte abgetragen. Die Giebelmauer im Norden wurde an die heutige Stelle zurückversetzt, bzw. abgerissen und neu aufgemauert.

 

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