Interpretation der Schlosszeichnung von 1670

November 2017 - von Markus Schäfer

 

Das Pfarrhaus ist möglicherweise eines der ältesten Gebäude in Cronheim. Wie ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin möchte ich in diesem Artikel etwas genauer erklären. Meine Theorie beruht im wesentlichen auf zwei Publikationen und einigen wichtigen Aussagen darin. Zum einen jener des Theologen Dr. Karl Ried in seinem Buch "Cronheim ein ehemaliger Adelssitz", worin er auf Seite 368 über den Bau des Pfarrhauses schreibt: "...Es sollte das [Pfarr-] Haus auf das zum Teil vorhandene Erdgeschoss aufgesetzt werden; auf einer Seite [Norden] war die Mauer vom Boden aus neu aufzuführen..." Zum anderen jener Ralph Rossmeissls der in seiner Publikation "Mikrokosmos Cronheim, ein Dorf drei Religionen",  nahelegt, dass das Schloss und der dazugehörige, befestigte Wirtschaftshof (Allodium) um 1140 erbaut wurden und die Lage dessen mit jenem des heutigen Pfarrhauses gleichsetzt.. Dieses Baujahr, welches auf die Erstnennung des Ortsadels derer von Cronheim zurück schliesst, steht m. E. zwar auf etwas wackeligen Beinen, denn es ist lediglich die erste Erwähnung eines Cronheimer Ortsadels als Burchard von Cronheim als Zeuge genannt wird, nicht aber die Nennung einer Burg oder eines Festen Hauses (wofür ich den Pfarrhof halte) am Ort. Ich gehe jedoch einmal davon aus, dass dabei seriös recherchiert wurde so dass diese Gleichsetzung gerechtfertigt ist. Eine gesicherte Altersbestimmung und damit eine Bestätigung oder Widerlegung meiner Theorie über das Allodiums kann vermutlich nur durch eine wissenschaftliche Grabung und entsprechenden Funden getroffen werden, die es so mit dieser Fragestellung bisher nicht gegeben hat. Eine Dendrochronologische Altersbestimmung scheidet wohl aus, denn soweit ich gesehen habe gibt es lediglich einen Holzbalken der Brandspuren zeigt und daher eventuell vom Vorgängerbau stammen könnte. Und selbst wenn dieser vom Vorgängerbau stammt muss das nicht bedeuten, dass er auch aus der ersten Bauphase stammt. Es gibt jedoch eine Reihe von Indizien die Rückschlüsse auf das Alter des "alten Pfarrhofs" erlauben. Beweise dafür fehlen jedoch größtenteils.

 

Eine der frühesten, mir bekannten Abbildungen welchen den alten Pfarrhof zeigt, stammt aus einer Zeichnung der gesamten Schlossanlage Cronheim die um 1670 angefertigt wurde. Diese liefert sehr gute Informationen über die Anlage des Allodiums - dem Gutshof - dem späteren Pfarrhaus, obgleich die Zeichnung gewisse Unstimmigkeiten aufzeigt. 

 

Was ist heute über das Schloss bekannt?

Folgendes ist über die Bauabschnitte des Schlosskomplexes Cronheim heute bekannt:

  • um 1140 Bau eines befestigten Wirtschaftshofes (Allodium)
  • Ende 12./ Anfang 13. Jahrhundert Bau eines Wohnturms in Form einer Wasserburg an Stelle wo heute das Schloss Cronheim steht.
  • um 1280 Bau des Kirchturms
  • zweite Hälfte 14. Jahrhundert: Bau der östlichen Vorburg unter Einbeziehung des bereits befestigten Allodiums.
  • 1397 Brand der Zehntscheune
  • 1403 Brand des Schlosses
  • 1477 Ausbau zur Wehrkirche St. Maria Magdalena
  • 1560 Allodium ist Baufällig
  • 1632 Brand der Zehntscheune und des Allodiums
  • 1749 Wiederaufbau des Allodiums in stark veränderter Form

 

 

Die Zeichnung zeigt von Links nach Rechts: das Südtor und die äussere Ringmauer der Wehrkirche St. Maria Magdalena, das Kirchenschiff, die innere Ringmauer des Schlosses mit dessen Südtor zur Wehrkirche, das Schloß als Vierflügelanlage. Im Vordergrund das Amtsknechthaus links, der Dorfbrunnen, die östliche Vorburg mit Ringmauer, das Osttor, das Allodium mit dessen eigenen Innenhof und Tor sowie die Zehntscheune.

 

Das Allodium

Auf den Ersten Blick

Richten wir zunächst den Blick auf das Hauptgebäude des Allodiums.

Die Zeichnung zeigt ein langgestrecktes Gebäude mit einem Satteldachgiebel Richtung Süden (links) und einem Satteldachgiebel Richtung Norden (rechts). Die großen Öffnungen im Südgiebel (links) erwecken den Eindruck mittig unterteilte Fenster zu sein. Die Öffnungen im Nordgiebel sind weniger deutlich, es könnten daher sowohl Fenster als auch Ladeluken sein. Anhand dieser Öffnungen in den Giebeln lassen sich fünf, eventuell auch sechs Fenster- / Ladelukenreihen zählen. Die Luken deuten darauf hin, dass die oberen Geschosse zur Einlagerung von Heu, Getreide etc. genutzt wurden, welches die abgabepflichtigen Bauern aus der Umgebung bei ihrem Schirmherrn für dessen Schutz abzuliefern hatten. Geht man davon aus, dass das oberste Fenster in den Giebeln lediglich ein kleines Lüftungsfenster war darf man annehmen, dass es im Gebäude wohl vier oder Fünf voneinander getrennte Geschosse oder Zwischendecken gab. Ein gewaltiger Kamin definiert die Lage des Herrenhausteils. Der beheizte Herrenhausteil, die Kemenate, war gegen Süden gerichtet und nahm etwa zwei Drittel des Gebäudes ein. Das übrige Drittel (rechts gegen Norden) war, wie es scheint, unbeheizt und diente wohl als Wirtschaftsteil. Wohn- und Wirtschaftsteil waren durch eine massive Mauer im Erdgschoss getrennt. Eine weitere massive Mauer trennte den Wirtschaftsteil wiederum in zwei Hälften. Im Erdgeschoss des Wirtschaftsteils dürften wohl Stallungen und eventuell eine Dienstwohnung untergebracht gewesen sein. Man spricht bei einer solchen Aufteilung auch von einem Wohnstallhaus. Diese Erkenntnis ist für die Altersbestimmung der Gebäude in Cronheim nicht bedeutungslos, ich werde später darauf genauer eingehen. Die Zeichnung lässt zwei ebenerdige Eingänge von Westen (zum Schloss) erkennen. Einen zur Kemenate und einen weiteren in den Wirtschaftsteil (zwischen den beiden massiven Trennwänden). Auch diese Erkenntis ist wichtig für die Bestimmung und der Funktion des Gebäudes. Weiter ist auf der Zeichnung zu sehen, dass sich an der Nordseite des Gebäudes ein separater, durch eine Ringmauer und einem Tor befestigter Innenhof befand (später Pfarrgarten). Schon diese erste Betrachtung liefert uns eine Reihe wertvoller Informationen über das Gebäude und damit auch über die Ortsgeschichte.  

 

Die Zehntscheune

Die Zehntscheune schließt an den befestigten Innenhof des Allodiums an. Zwei Scheunentore sind nach Süden ausgerichtet. Eine Giebelmauer gibt es lediglich gegen Osten. Dort befinden sich auch die einzigen Fenster die dem Innenhof zugewandt sind. Ferner erscheint dort die Zehntscheune im rechten Winkel zum Allodium zu stehen wodurch sich ein doch recht kleiner Innenhof ergibt. Ein kurzer Mauerteil an der linken Seite der Giebelmauer der Scheune verläuft nach der Zeichnung Richtung Osten (Hauptstraße). So wollte der Zeichner wohl andeuten, dass dieser Innenhof von allen Seiten her geschlossen war. Auch eine Toröffnung scheint dort erkennbar zu sein.

Daraus lassen sich folgende Schlüsse ableiten. Im Osten der Zehntscheune befand sich ein Satteldach, welches auf einem massiv gemauerten Giebel auflag. Da gegen Westen kein Giebel erkennbar ist, war das Dach dort entweder abgewalmt, oder der Giebel war in Fachwerkbauweise ausgeführt und somit nach dem Brand nicht mehr vorhanden. Die Erste Fensterreihe liegt etwa auf Höhe des zweiten Geschosses. Demnach wurde das Erdgeschoss ausschließlich zu wirtschaftlichen Zwecken genutzt. Wenn darin auch Wohnraum untergebracht gewesen sein sollte, dann bestenfalls im Obergeschoss. Eine Eingangstüre scheint gänzlich zu fehlen. Es gibt lediglich zwei große Scheunentore durch die das Gebäude betreten werden konnte. Gemauerte Torbogen sind dort nicht zu erkennen. Demnach waren die Tore wohl durch einfache Torstürze aus Holz überspannt. Auch fehlt ein Zugang der Zehntscheune zum Innenhof des Allodiums. Entweder wurde ein Zugang später zugemauert oder wurde zum Zeitpunkt des Baus der Zehntscheune nicht benötigt. Außer Acht lies der Künstler auch die tatsächliche Lage der Scheune. Diese war in Tat und Wahrheit exakt Nord-Süd / Ost-West ausgerichtet, stand somit also etwa im Winkel von 70° zum Allodium (siehe Skizze). Auch war die Zehntscheune um einiges breiter als die Zeichnung vermuten lässt. Dadurch war auch der Innenhof des Allodiums tatsächlich wesentlich größer was auch nötig gewesen wäre um der umliegenden Bevölkerung aussreichend Schutzraum zu bieten.

Dies lässt weitere Schlüsse zu: Daduch dass der Zehntscheune jeglicher Zugang zum Innenhof des Allodiums fehlt erscheinen Kemenate und Zehntscheune nicht als eine zusammengehörige Einheit, obgleich dies eigentlich der Fall sein müsste. Denn das Vorwerk - der Wirtschaftshof, wie man ein Allodium auch bezeichnet, diente ja zur Versorgung einer Burg. Warum also war die Zehntscheune nicht darin integriert? Dafür gibt es eine Erklärung. Das Allodium und die Zehntscheune wurden nicht zur gleichen Zeit gebaut und der Verwendungszweck musste sich inzwischen geändert haben. Die Stellung der Zehntscheune zum Allodium lässt aber dennoch vermuten, dass beide Gebäude ein und den selben Eigentümer hatten. Nur so lässt sich schlüssig der durch die unterschiedliche Stellung der Gebäude ungewöhnliche Geländeeinschnitt in den befestigen Vorhof des Allodiums erklären. Damit bestätigt die Architektur die geschichtliche Überlieferung, dass die Kirche das Pfarrhaus lediglich angemietet hatte und es eben nicht besass. Weiter findet sich darin die Bestätigung, dass vom Zeitpunkt von dem an das Allodium als Pfarrhof diente dessen ursprüngliche Funktion verloren hatte. Wurden Abgaben früher im Allodium eingelagert wurden sie danach in der eigens dafür errichteten Zehntscheune gelagert. Der Herrschaftssitz der von Cronheim war ebenfalls nicht länger die Kemenate sondern der neu errichtete Wohnturm.

 

Grundstück des alten Allodiums
Uraufnahme mit freundlicher Genehmigung der: Bayerischen Vermessungsverwaltung

Mysteriöse Diagonalline

Wenn man sich den Grundstücksverlauf des Pfarrhauses genauer ansieht wird man feststellen, dass das Grundstück V-Förmig verläuft. Das Pfarrhaus, nebst Backhaus und eine Mauer verlaufen im Norden und im Osten entlang der Hauptstraße. Im Westen weitet sich das Grundstück auf je weiter es Richtung Norden geht, gegen Süden verengt es sich. Ich habe nun diese Linie in einem alten Katasterplan von 1825 nach Norden und Süden verlängert mit einem verblüffenden Ergebnis. Diese Diagonallinie gibt auch im Norden, nach der ehemaligen Zehntscheune, den Grenzverlauf der Flurstücke 181, 182, 183 und 185 bzw. einem heute dreigeteilten Gebäude welches entlang dieser Linie über die Flurstücke 181 und 182 hinweg veräuft, vor. Nicht etwa die herrschaftliche Zehntscheune was man zunächst erwarten würde. Sie endet an der alten Hauptstraße (heute endet diese Strasse in einer Sackgasse) die früher an dieser Stelle über Lellenfeld nach Arberg weiter Richtung Norden nach Ansbach verlief. Der Verlauf der Ringmauer des Allodiums folgte also im Norden wie im Osten dem alten Verlauf der Haupstrasse. Die Grundmauern der Zehntscheune waren hingegen in Nord-Süd / Ost-West ausgerichtet, wie auch das Schloss. Die heute nichtmehr vorhandene östliche Giebelmauer der Zehntscheune stieß mit ihrer äußersten Nord-Ost-Ecke auf die Diagonallinie des Allodiums und bohrte sich gegen Süden, bedingt durch die unterschiedliche Ausrichtung, in den befestigten Innenhof des Allodiums. Dies liefert ein weiteres Indiez dazu, dass Allodium und Zehntscheune nicht zur gleichen Zeit entstanden sein dürften. Doch warum wählte man diese gegensätzliche Ausrichtung? Und, welche Ausrichtung ist die Ältere?

 

Damals wie heute beschränken Geländeverhältnisse und Grundstücksgrenzen die Bebaungswünsche eines Bauherrn. Darin macht auch die Bebauung in Cronheim keine Ausnahme. Man geht wohl nicht zuweit wenn man nun behauptet, dass die identifizierten Diagonallinie eher die Folge einer Grundstücksgrenze als geländebedingt ist. Dies scheint auch durch den konsequente Weiterführung dieser Linie in den anschliessenden Flurstücken 181 und 182 im Norden bestätigt zu werden. In anderen Worten, gehörte das Allodium zum Grundbesitz der Herren von Cronheim begann oder endete deren Besitz auch an der Stelle dieser Diagonallinie, oder umgekehrt. Dass diese "Grenzlinie" entweder durch die Bebauung mit der Zehntscheune oder jener des Allodiums verletzt werden konnte, was offensichtlich geschah, setzt eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse voraus. In anderen Worten: beide Grundstücke mussten dem gleichen Eigentümer gehören. Weiter lässt sich ableiten, dass sich der bedingte Eigentumswechsel zwischen den beiden Bauphasen, jener der Zehntscheune und jenem des Allodiums, vollzogen haben muss. Dies konnte nur durch Heirat, Gewalt, Kauf, Tausch oder Erbschaft geschehen. 

Wenn man heute an Ritter und Adel denkt bekommt man oft ein falsches Bild von der Realität die in der Zeit des 12. Jahrhunderts, als ein Ortsadel in Cronheim erstmals erwähnt ist, vorherrschte. Die Herren von Cronheim gehörten zum Niederen Adel darum war es nicht so, dass Ihnen das ganze Dorf gehörte - ganz und garnicht. Ursprünglich unterschieden Sie sich von den übrigen Dorfbewohnern lediglich durch das Privileg der Schirmherrschaft über die Gemeinde und dem einhergehnden Recht der Gerichtsbarkeit. Wurden früher die Anführer gewählt und mit dem Schutz der Komune betraut wurden sie später von den jeweiligen Landesfürsten ernannt. So war es auch bei den Cronheimern. Mit dem Beginn der Adelsstrukturen verlor die Gemeinschaft das Recht ihren Schutzherren selbst zu wählen. Die Landesfürsten begannen nun treue und tüchtige Anhänger als Schutzherren für die Gemeinschaften zu bestimmen. Trotzdem wurde das Grundeigentumsrecht nicht angetastet. Die Schirmherren hatten entweder bereits Eigengut in ihrer Gemeinde oder sie erhielten es in Form von Lehen von dem Landesherren. So konnten sich auch die Herren von Cronheim nicht einfach das Land eines anderen nehmen selbst wenn sie die Ortsherrschaft inne hatten.  Nun bleibt zu klären welches der beiden Grundstücke den Herren von Cronheim zuerst gehörte. War es das Grundstück westlich dieser Diagonallinie oder war es das Gründstück östlich davon, also den Wirtschaftshof?

 

Ich vermute, dass das befestigte Allodium der erste eigene Grundbesitz derer von Cronheim war den sie mit königlicher Genehmigung bewehren durften um der dortigen Bevölgerung bei Gefahr darin Schutz bieten zu könnnen. Das Gebiet worauf das Allodium steht lag strategisch am besten um den damals wichtigen Handelsweg von Ingolstadt dem Altmühlverlauf folgend nach Würzburg kontrollieren zu können. Dort befand sich auch der Dorfbrunnen und der Gerichtsplatz. Wohl erst danach kam das Grundstück worauf sich die Zehntscheune und der Schlosshof befand in den Besitz derer von Cronheim. 

 

Kurz zusammengefasst. Das Areal worauf sich die Kirche, das Schloss, die Zehntscheune und das Allodium befand war meines Erachtens ursprünglich in drei Teile geteilt. Jenem auf dem sich Schloss und Kirche befinden, jenem mit dem Schlosshof und der Zehntscheune und jenem des Allodiums. Der erste Eigenbesitz war wohl das an der Hauptstrasse gelegene Allodium. Wohl bereits kurze Zeit danach kamen die Herren von Cronheim auch in den Besitz jenes Teils worauf sie Kirche und Schloss errichteten (spätestens um 1280). Jener Teil mit dem Schlosshof und der Zehntscheune war der letzte dieser drei Teile den sie in Besitz nehmen konnten (spätestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts). Somit kann nicht nur die "Grenzüberschreitung" beim Bau der Zehntscheune erklärt werden es erklärt auch warum man sich nicht dazu entschloss später das Allodium zu einer vollständigen Burg auszubauen sondern ein gutes Stück entfernt davon begann den Wohnturm zu errichten. Auch dies untermauert meine Schlussfolgerung die ich aus anderen Gründen bereits bei der Untersuchung der Zehntscheune (s.o.) getroffen hatte. Zehntscheune und vermutlich auch das Schloss entstanden erst nach dem Allodium. Die beschriebene Diagonallinie reflektiert die ursprünglichen Grundstücksgrenzen.

 

Das strategisch am günstigsten liegende Grundstück nutzte man dazu daruf einen befestigten Wirtschaftshof zu errichtend um den Handelsweg kontrollieren zu können. Man mag es heute kaum noch für möglich halten doch im Hochmittelaler war dies ein wahrer "Hot-Spot". An dieser "Ecke" kam damals niemand so einfach vorbei. Weder der Verkehr von Süd-Ost nach Nord-West noch jener von Ost nach West. Ironischerweise enden heute beide einst so wichtigen Verbindungen in einer Sackgasse. Die Staatsstrassen 2219, 2221 und 2222 übernehmen heute diese Funktion. 

 

Begründung der Grundstückstheorie

Wenn die beschriebene Diagonalline tatsächlich den alten Grenzverlauf zwischen Allodium und Schlosshof wiedergibt müsste sich diese auch zwischen Schlosshof und Schloss wieder finden. Um das heraus zu finden habe ich mit den Verlauf des Wassergrabens und der damit einhergehenden Futtermauer des Schlosses Richtung Osten genauer angesehen. Dabei fällt auf, dass die Futtermauer im Osten, nicht wie man erwarten würde parallel zur Fassade des Schlosses verläuft, wie dies im Süden der Fall ist. Im Osten verläuft die Futtermauer schräg Richtung Osten und knickt danach Richtung Westen ab wo diese dann auf die wiederum parallel verlaufenden Futtermauer im Norden trifft. Somit bildet die Futtermauer im Osten ein Dreieck mit der Ostfassade. Eigenartiger Weise lag die Spitze des Dreiecks ursprünglich nicht auf Höhe des Eingangs wodurch sich, bedingt durch einen breiteren Wassergraben, an dieser Stelle die Schutzfunktion für den Eingang hätte erhöhen lassen können. Den größten Abstand zwischen der östlichen Futtermauer und dem Schloss erreichte diese ursprünglich etwa auf Höhe der Südmauer des Nordflügels. Ein Verteidigungsaspekt ist darin zunächst nicht zu erkennen. Nun hilft ein Blick auf die Grabungsergebnisse von 1999 die bei der Renovierung des Schlosses durchgeführt wurden. Was sich heute als die Südmauer des Nordflügels darstellt, war im 14. Jahrhundert die Aussenmauer des Schlosses gegen Norden! Somit darf angenommen werden, dass dieser erste Teil der Futtermauer (bevor diese nach Westen abknickt) zunächst die gesamte Ostfassade des Schlossgebäude absicherte. Nun habe ich den Schenkel des Dreiecks nach Norden und Süden verlängert und wieder ergab sich etwas erstaunliches. 

Der Verlauf der östlichen Futtermauer korrespondiert nicht nur mit dem Verlauf der östlichen Ringmauer der Wehrkirche St. Maria Magdalena, nein die verlängerte Linie läuft auch exakt auf die Nord-West-Ecke der Zehntscheune. Damit nicht genug. Die "mysteröse" Diagonalline beim Allodium verläuft auch exakt parallel zu dieser Futtermauer des Schlosses! Doch wann entstand die Futtermauer des Schlosses?

Es ist beschrieben, dass das Cronheimer Schloss immer eine Wasserburg war. Um zu verhindern, dass das Wasser die Böschung des Grabens abwäscht und nachrutschende Erdmassen den Graben wieder verfüllt, war man an Stellen wo weder massiver Fels noch ein ausreichend breiter Uferstreifen zur Verfügung stand, dazu genötigt die Uferböschung mit einer Steinmauer zu sichern. Das dies so auch beim Schloss in Cronheim gemacht wurde ist in der Zeichnung von 1670 gut zu erkennen. Wenn das Ufer des Weihers früher nicht wesentlich weiter nach Osten verlief muss man davon ausgehen, dass der Bau der Futtermauer zeitgleich mit dem Bau der ersten Wasserburg erfolgte. Nun lässt sich streiten ob sich der Verlauf der "mysterösen" Diagonalline des Allodiums nach jener Linie dieser Futtermauer richtete oder umgekehrt. Fest steht dadurch nur eines. Beide Linien bestanden bereits bevor in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts das Allodium zur Vorburg ausgebaut wurde. Damit überhaupt mit dem Bau begonnen werden konnte musste der Schlosshof zum Besitz derer von Cronheim gelangt sein.

 

Man könnte nun behaupten, dass die Diagonallline des Allodiums zu dem Zeitpunkt entstand als die Pfarrkirche Maria Magdalena zur Wehrkirche ausgebaut wurde und die parallel dazu verlaufende Futtermauer im Zuge dieser Baumassnahme entstand. Diese Vermutung hält aus einem Grund nicht stand. Der Ausbau zur Wehrkirche und somit der östlichen Ringmauer der Kirche erfolgte um 1477. Das bedeutet das zum Zeitpunkt als der Ausbau zur Wehrkirche erfolgte das Schloss, der Schlosshof. das Amtsknechthaus, die Zehntscheune und vor allem auch das Allodium mit dieser Vorburg eine geschlossene Einheit bildeten. Höchstwahrscheinlich gehörte auch das Kirchengebäude den Herren von Cronheim. Die Kirche, die zu diesem Zeitpunkt das Allodium als Pfarrhaus nutzte, war nämlich lediglich Mieter nicht aber Eigentümer des Gebäudes. Eine Grenzunterteilung durch die beschriebene diagonal verlaufende Linie hätte zu diesem Zeitpunkt absolut keinen Sinn (mehr) gemacht. Ich wage sogar die Behauptung, dass es sich bei der vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Futtermauer beschriebene Mauer in Wahrheit um eine Ringmauer handelt. Das diese Mauer duchaus auch eine Wehrfunktion hatte, lässt sich mit dem Südtor zur Wehrkirche erklären. Dieses Tor macht nur Sinn wenn die Mauer die daran anschloss mindestens gleich hoch war (wie dargestellt). Weiter muss angenommen werden, dass dieses Tor zusammen mit der Mauer  zur Kirche spätestens beim Bau der östliche Vorburg errichtet wurde. Ansonsten wäre die Vorburg an dieser Stelle ungeschützt offen gestanden. Lediglich ein Tor und ein anschliessender Wassergraben wäre zu riskant gewesen. Denn wäre es zu einem Angriff gekommen, hätte der Angreifer lediglich das Wasser des künstlich aufgestauten Weiher abgraben müssen woduch seine Truppen vorbei an der Vorburg freien Zugang zum Haupttor des Schlosses gehabt hätten. Auch der Südturm (Hungerturm) hätte daran nicht viel geändert. Diese "innere Ringmauer" muss also bereits vor dem Ausbau der östlichen Vorburg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet worden sein. Die Achsverlängerung dieser Linie als östliche Ringmauer der Kirche ist so nur konsequent. Egal ob nun Futtermauer oder Ringmauer, in beiden Fällen hätte der Erbauer wohl diese am wahrscheinlichsten an seiner Grundstücksgrenze errichtet. Ergo - diese beiden aufgezeigten Diagonallinen waren allem Anschein nach in der Tat alte Grenzverläufe die es bereits vor dem Bau der östlichen Vorburg, deren Bau in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stattfand, gab.  Die einzig logische Erklärung - zu diesem Zeitpunkt muss diese Linie und somit auch die westliche Ringmauer des Allodiums bereits (noch) bestanden haben.

 

Wann wurde die Zehntscheune gebaut?

So wie die Scheune dargestellt ist kann sie frühestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet worden sein. Meine Gründe dafür sind nicht nur die eben beschriebenen Grenzverläufe und Besitzverlältnise dazu kommen auch der fehlende Zugang zum bewehrten Innenhof des Allodiums und die „Warenlogistik“. Die Beladung der Zehntscheune erfolgte wohl kaum von Osten und dem dortigen Innenhof. Es sind dort weder giebelseitige Ladeluken geschweige denn ein Tor oder Türen zu erkennen. Wohl auch nicht von Westen. Dort war das Dach wahrscheinlich abgewalmt und nicht in Fachwerkbauweise ausgeführt. Grund meiner Annahme ist eine Zeichnung der gesamten Schlossanlage von Westen, die 1803 angefertigt worden ist. Dort erkennt man, dass gegen Westen ein Walmdach vorhanden war. Ein Walmdach bot nicht die Möglichkeit Ladeluken und eilnen Flaschenzug anzubringen. Die Be- und Entladung erfolgte so ausschliesslich über die beiden Scheunentore Richtung Süden zum Schlosshof hin. Karren konnten dort bequem einfahren und entladen werden. Und was hat die "Warenlogistik" mit dem Baujahr des Gebäudes zu tun? Die Logistik einer Zehntscheune setzt voraus, dass der Zugang zur Friedenszeit einfach und effizient erfolgen konnte. Schliesslich gaben sich speziell zur Erntezeit die Abgabepflichtigen "die Klinke in die Hand". In Krisenzeiten jedoch musste die Möglichkeit gegeben sein die wertvolle Lagerware vor feindlichen Zugriffen zu schützen und zeitgleich die Versorgung der eigenen Truppen und den Schutzpflichtigen zu gewährleisten. Diese Bedingungen waren erst gegeben als die östliche Vorburg des Schlosses errichtet worden war, somit frühestens in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Dabei ist noch anzumerken, dass das Allodium diese Bedingungen bereits vorher erfüllte. Dazu werfen wir nun einen etwas kritischeren Blick auf den Teil der Zeichnung worauf das Hauptgebäude des Allodiums zu sehen ist:

 

Die Anordnung der Fenster des Allodiums

An der Ostfassade (zur Hauptstraße) ist eine einheitlich hohe Fensterreihe eingezeichnet die sich vom Wohn- bis über den gesamten Wirtschaftsteil hinzieht. Zu sehen ist auch eine Fensterreihe im Nordgiebel. Versucht man nun dort eine Zwischendecke einzuzeichnen stellt man fest, dass die Fenster der Ostfassade direkt auf Brüstungshöhe der Fenster im Nordengiebel verliefen. Waren diese beiden eingezeichneten Öffnungen dort in der Tat Fenster und keine Ladeluken war das natürlich nicht sinnvoll. Eine der beiden Fensterreihen müsste demnach höher oder tiefer gelegen haben. Die Fensterreihe im Norden erweckt auch den Eindruck als gab es dort zwei Vollgeschosse. Zumindest deutet das eine dort eingezeichnete Linie an. Ob sich dort auch ein Tor oder eine Türe befand ist nicht deutlich zu erkennen (auf der linken Seite scheint ein Fenster oder eine Türe zu sehen sein). Geht man davon aus, dass das Hoftor den Durchgang für Pferd und Reiter ermöglichen sollte müsste die Höhe dort etwa 2 bis 2.5 Meter betragen haben. Die Ostmauer (Hauptstrasse) stellt der Zeichner fast doppelt so hoch dar wie das Tor. Demnach müsste diese Ostmauer zwischen 4 und 5 Meter hoch gewesen sein. Ziehen wir die Höhe der Balkenlager (die eingezeichneten Kerben in regelmäßigen Abständen die auf der Zeichnung zu erkennen sind deuten darauf hin) und Zwischendecke davon ab, bot es in der Tat genügend Raumhöhe für zwei wenn gleich recht niedrige Geschosse.

 

Die Anzahl der Geschosse im Allodium

Eine weitere Frage wirft die Fensterreihe des Wohnhausteils gegen Westen (Richtung Schloss) auf. Auf der Zeichnung sind dort im Südteil klar zwei Fensterreihen zu sehen was darauf hinweist, dass es dort demnach mindestens zwei massive Vollgeschosse gegeben haben muss, die darüber hinaus eine wesentlich höhere Raumhöhe hatten als diejenigen Geschosse im Wirtschaftsteil des Gebäudes. Die Erkenntnisse über die Raumhöhe liefert ein weiteres wichtiges Indiez über die Bedeutung des Hauses. Herrschaftliche Gebäude zeichneten sich unter anderem durch deren Raumhöhe aus die nicht zuletzt die Macht, Größe und Reichtum ihres Bewohners demonstrieren sollte. Dieses massive Obergeschoss scheint sich jedoch lediglich etwa bis zur Hälfte des Gebäudes hinzuziehen. Danach sieht es so aus, als wären alle anderen Wände um diese Geschosshöhe niedriger.  Dabei gibt es aber einen Haken:

 

Die Dachform und die gezeigten Giebel

Der Südgiebel ist asymmetrisch dargestellt, der Nordgiebel jedoch nicht. Ein asymmetrischer Giebel ist nötig, wenn eine Traufseite höher liegt (in diesem Fall ein Geschoss mehr) als die andere. Dadurch müsste das Dach gegen Westen (Schloss) in einem flacheren Winkel verlaufen als gegen Osten (Hauptstraße). Um das Gebäude mit einem einheitlichen Dach zu überspannen, müsste nun auch der Nordgiebel asymmetrisch verlaufen, was aber nicht zu erkennen ist. Der Nordgiebel ist auf der Zeichnung zweifellos symmetrisch dargestellt und konnte somit nicht mit dem Südgiebel korrespondieren. Was nun?

 

Mögliche technische Lösungen für das Dach

Falls der Zeichner bei den beiden gezeichneten Giebeln keinen Fehler gemacht hat gibt es nur eine technische Erklärung. Das Gebäude musste einen dritten (symmetrischen) Giebel gehabt haben. Ein solcher Trenngiebel scheint auf der Zeichnung jedoch nicht erkennbar zu sein, was nicht heißen muss, dass es ihn nicht gab. Die Spalte die sich bedingt durch die unterschiedlichen Dachneigungen an diesem Punkt ergibt konnte mit Holzbrettern verblendet werden (siehe Skizze unten). Denkbar wäre, dass ein solcher Trenngiebel in Fachwerkbauweise ausgeführt wurde, der eventuell auf einer der beiden beschriebenen massiven Zwischenwände auflag und somit nach dem Brand nichtmehr vorhanden war. (PS für die ganz kritischen Leser: ja, theoretisch käme man auch lediglich mit längeren Sparren vom Punkt der unterschiedlichen Traufhöhen aus, doch halte ich dagegen, dass an diesem Übergangspunkt zusätzlich unterschiedliche Schwerpunkte andere statische Bedingungen geschaffen hätten, die man sicherlich hätte vermeiden wollen da es diese bedingt durch das assymetrische Dach so oder so schon gab. Ein Trenngiebel hätte somit eine Entlastung für die gesamte Dachkonstruktion gebracht.)

 

Es gibt noch zwei weitere technische Lösungen, die jedoch auf der Zeichnung so nicht erkennbar sind. Bei einer der beiden Lösungen müsste auch der Nordgiebel asymmetrisch gewesen sein. Bei dieser Lösungsvariante wäre die gesamte Westfassade (zum Schloss hin) zweistöckig gewesen. Dafür das dieses zweite Obergeschoss ab der zweiten Hälfte nicht eingezeichnet ist könnte es eine Erklärung geben - Die Aussenmauer des zweiten Vollgeschosses gegen Westen war im Wirtschaftsteil im Gegensatz zu jener im Wohnteil nicht in Massiv- sondern in Fachwerkbauweise ausgeführt. Nach dem Brand war diese vollständig verschwunden. Der massive Mauerteil des Obergeschosses im Herrenhausteil hielt dem Brand hindessen stand. Was damit nicht erklärt werden kann ist der symmetrisch dargestellte Nordgiebel - dieser hätte bei diesem Lösungsansatz ebenfalls asymmetrisch sein müssen. Ein symmetrischer Nordgiebel könnte zwar mit der dritten Lösung erklärt werden aber..:

Bei der dritten Lösungsvariante (symmetrische Giebel) müsste folgendes gegeben sein. Es gab ein einheitliches Obergeschosses über alle Teile des Gebäudes das teilweise in Massiv-, teilweise in Fachwerkbauweise ausgeführt war. Dann wären zwei symmetrische Giebel machbar, doch... der Südgiebel ist eben nicht symmetrsich sondern klar asymmetrisch dargestellt. Für die beiden letzten Lösungen müssten wir dem Künstler zu Gute halten, dass es bei seinem Werk nicht um einen Bauplan handelte und diese technischen Aspekte nun einfach unberücksichtigt blieben. Darum tendiere ich zur ersten Lösung - das Haus hatte ursprünglich drei Giebel.

 

 

Nehmen wir nun an, dass das Allodium drei Giebel hatte und die Westmauer im Obergeschoss im Bereich des Wirtschaftsteils zum Schloss hin teilweise in Fachwerk ausgeführt war. Warum die Mauer des zweiten Geschosses nicht vollständig in Massivbauweise ausgeführt war (die für den Trenngiebel benötigte massive Zwischenmauer befindet sich ein gutes Stück entfernt von der eingezeichneten massiven Obergeschossmauer der Westfassade) kann durchaus wirtschaftliche Gründe gehabt haben - massiv zu bauen war teuer. Man kann nun entgegenhalten, dass das Gebäude an der Stelle wo es von Massivbauweise in Fachwerk überging bei Angriffen verwundbarer war. Absolut richtig. Wäre das Haus so gebaut gewesen scheint dem Erbauer diese Schwachstelle bewusst gewesen zu sein. Obgleich die Zeichnung nicht wirklich eine Ringmauer im Westen erkennen lässt muss es sie gegeben haben. Warum werde ich gerne erklären:

 

Wie Rossmeissl in seinem Buch "Mikrokosmos Cronheim - Ein Dorf drei Religionen" beschreibt, wurde das Allodium zeitgleich mit einem ersten bescheidenen Wohnturm um 1140 errichtet. Ich glaube sogar, dass das Allodium der erste befestigte Herrschaftssitz, wenn man so will, also die erste Burg in Cronheim war. Der Wohnturm wurde eventuell sogar erst einige Zeit danach errichtet. Das würde erklären warum das Allodium bereits befestigt war (wie Rossmeissl ausführt) als in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Ausbau einer geschlossenen Vorburg für das neue Schloss Richtung Osten entstand. Demnach muss das Allodium bis zu diesem Zeitpunkt einen in sich geschlossenen Verteidigungskomplex gebildet haben. Denn mit lediglich einer Mauer gegen Osten und einer gegen Norden wäre der Angreifer lediglich ums Haus gelaufen wo sich auch der Haupteingang befand ohne auf Wiederstand zu stoßen. Das macht natürlich keinen Sinn. Darum ist Zwangsläufig davon auszugehen, dass es eine Mauer, ein Zaun, ein Wassergraben, sumpfiges Gebiet oder zumindest einen Erdwall sowohl gegen Westen als auch gegen Süden gab. Doch wo verlief diese Verteidigungslinie? Es ist durchaus vorstellbar, dass die Gebäudemauern im Osten, Süden und teilweise im Westen Wehrfunktion hatten - es gab also kein zusätzlich vorgelagertes Mauerwerk um die Gebäudemauern zu schützen. Doch wie sieht es mit den beiden eingezeichneten Hauseingängen Richtung Westen aus? Zumindest diese müssten doch geschützt hinter einer Ringmauer liegen. Doch wo verlief diese?

 

Amtsknechthaus und Dorfbrunnen

Eine Vorburg der Vorburg?

Die zuvor beschriebene Diagonallinie ist nicht unbedeutend und liefert eventuell Aufschlüsse auf die ursprüngliche Form und Größe des Allodiums. Verlängert man diese nämlich Richtung Süden stößt diese exakt auf die Nord-West-Ecke des Gebäudes welches im Katasterplan von 1825 eingezeichnet ist. Ob es jedoch das alte Amtsknechthaus ist vermag ich nicht zu sagen. Nur um den Gedanken der verlängerten Diagonalline zu Ende zu denken. Nehmen wir mal an das Gebäude im Katasterplan war das Amtsknechthaus und die Nord-Westecke lag tatsächlich an der alten Grundstücksgrenze die über die gesamte Länge mit einer Mauer bewehrt war. Damit ergäbe sich ein zweiter Innenhof vorausgesetzt man verlängert auch die Ostmauer des Allodiums weiter Richtung Süden bis hin zu diesem Gebäude. An der Süd-Westecke des Allodiums hätte sich somit ein strategisch günstiger Engpass ergeben der sich im Angriffsfall positive für die Verteidiger auswirken konnte. Zog sich die Diagonalmauer nun tatsächlich bis zum Amtsknechthaus hin ergäbe sich sogar so etwas wie eine Vorburg des Allodiums. In diesem Bereich befand sich nicht nur der öffentliche Dorfbrunnen, nein dort war einst auch der Gerichtshof.

Der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert beschriebene Ausbau der östlichen Vorburg könnte somit eventuell weit weniger umfangreich gewesen sein und beinhaltete eventuell lediglich den Bau der Zehntscheune um den Schlosshof von Norden her zu schützen und die Verlängerung der inneren Ringmauer im Süden des Schloses bis hin zum Amtsknechthaus. Dabei hätte sich die "alte Ringmauer" im Westen, zwischen Allodium und Amtsknechthaus, als unnötig erwiesen und konnte dann ohne Probleme zurück gebaut werden. Die Frage ob es in der Tat eine "Vorburg" der "Vorburg" Richtung Süden gab kann ohne Grabungen oder alte Zeichnungen nicht beantwortet werden. Unlogisch erscheint es auf keinen Fall. 

 

ganz links Zehntscheune mit Walmdach - mitte Tor

ganDie Ringmauer

Dass das Allodium von Westen zumindest teilweise durch eine Ringmauer geschützt war zeigt ein Blick auf den Katasterplan von 1825. Dort sieht man, dass kurz nach dem ersten Fenster des Pfarrhauses (links) eine etwa viereinhalb Meter lange Mauer Richtung Westen verlief und danach der diagonalen Grundstückslinie Richtung Norden folgte. Zumindest ab dort gab es also eine Ringmauer. Das würde nun auch erklären, warum die westliche Obergeschossmauer bis zu diesem Punkt in Massivbauweise ausgeführt war und ab dem Punkt wo die Ringmauer den Schutz übernahm in Fachwerk weitergeführt werden konnte. An dieser Stelle befand sich auch das Westtor des Allodiums. Dies wiederum sieht man auf einer Zeichnung die um 1803 entstand. Die westliche Ringmauer mit Tor stand noch bis zum Bau des Kindergartens, wenngleich versteckt. Denn die nach Streitereien mit dem Vogt 1755 errichtete Pfarrscheune nutzte wohl die Ringmauer als Grundmauer für die Giebelmauer, womit auch die etwas eigenartige Stellung der Pfarrscheune erklärt wäre. Gleiches geschah mit der Ringmauer im Norden. Diese dient noch heute als Grundmauer für die Giebelwand des Hauses 181!

Fassen wir die Erkenntnisse kurz zusammen. Die Erdgeschossmauern des Pfarrhauses entsprechen mit Ausnahme der Nordmauer den Erdgeschossmauern des Herrenhausteils des alten Allodiums. Ebenso die übrige Mauer im Osten des Backhauses und der ehemaligen Holzlege (heute geteilt zwischen Pfarrhaus und Kindergarten) bis kurz vor dem Kindergartentor welches an gleicher Stelle steht wie das ehemalige Osttor des Allodiums. Die übrige Mauer im Osten bis zu Haus 181 entspricht der alten Ringmauer des Allodiums. Ebenso wie die nördliche Ringmauer die heute zum Teil als Grundmauer der Giebelwand dieses Hauses genutzt wird. Eine der beiden massiven Trennwände, die heute das alte Backhaus von der Holzlege unterteilt, war vermutlich die Trennwand im Wirtschaftsteil des Allodiums worauf der Trenngiebel aufgesetzt war.

Die Ringmauer im Westen wurde mit dem Abriss der 1755 errichteten Pfarrscheune ebenfalls entfernt, wie auch das kurze Stück der Ringmauer im Süden. Die Zehntscheune gehörte vermutlich nicht zum ursprünglichen Allodium und wurde wahrscheinlich erst im 14. Jahrhundert errichtet als das Schloss durch die Vorburg im Osten geschützt wurde. 1397 brannte diese Scheune nieder. Ob beim Wiederaufbau Mauerwerk des Vorgängerbaus verwendet werden konnte oder nicht ist nicht beschrieben. Entstanden beim Brand zu hohe Temperaturen brach das Mauerwerk und musste von Grund auf neu gemauert werden. Somit könnte es sein das zwar die erste Zehntscheune die Ringmauer des Allodiums als Giebelmauer nutzte, nicht aber der Nachfolgebau von dem heute noch die Grundmauern stehen. Das rückt den Bau der Zehntscheune hinter die Erbauungszeit des Allodiums. Nachdem 1403 nun auch noch das Schloss durch den Nürnberger Burggrafen zerstört wurde und somit beides, Zehntscheune und Schloss neu aufgebaut wurden kann die Zehnscheune auch erst wesentlich später errichtet worden sein.

Die Bauanalyse des Allodiums lässt nun sogar einen Rückschluss auf den Angriff von 1403 zu. Wahrscheinlich erfolgte der Angriff, nicht wie man annehmen könnte von Osten, wo sich der Zugang zum Schloss befand, sondern von Süden, von der Kirche her. Bei einem Angriff von Süden kam man nicht nur dem Schloss bereits gefährlich nah, man konnte sogar den Kirchturm für den Beschuss nutzen. Ein Angriff von Westen scheidet durch den vorgelagerten Weiher aus. Ein Angriff von Norden oder Osten wäre erheblich schwieriger da der Angreifer zunächst die Vorburg überwinden musste und erst danach in einem weitläufigen und offenen Zwinger den eigentlichen Angriff auf das Schloss einleiten konnte. Dies erklärt auch, dass nirgends davon berichtet wird das auch der Pfarrhof beim Angriff des Burggrafen zerstört wurde. Aus der Zerstörung von 1403 zog 1477 Wilhelm von Cronheim die logische Konsequenz in dem er nun die Kirche zur Wehrkirche ausbauen lies. So wollte er einen künftigen Angriff von Süden her vorbeugen.

 

Pfarrhaus oder Zehntscheune?

Nun zur Frage, war das Pfarrhaus ursprünglich das Allodium oder könnte es auch die Zehntscheune gewesen sein? Schliesslich schloss sich auch die Zehntscheune an den Innenhof des Allodiums an. Schaut man sich die Ausrichtung der Kirche, des Schlosses, der Zehntscheune und die des Pfarrhauses an ist man dazu geneigt zu denken, dass wohl eher die Zehntscheune dem ursprünglichen Allodium entspricht da diese auf die gleichen Achsen wie das Schloss und die Kirche ausgerichtet ist. Somit hätte auch der befestigte Innenhof zur Zehntscheune und nicht zum Pfarrhof gehören können. Dann wäre das Wohnstallhaus nach der Zehntscheune entstanden. Das scheint soweit logisch. Ich halte dennoch an der Theorie fest, dass das Wohnstallhaus, also das spätere Pfarrhaus, vor der Zehntscheune erbaut wurde. Der einfache Grund: Wäre die Zehntscheune vor dem Wohnstallhaus gebaut worden, hätte man beim nachfolgenden Bau dessen wohl kaum die Form eines Wohnstallhauses gewählt, warum auch, der Wirtschaftsteil wäre so oder so besser in der Zehntscheune aufgehoben als im Wohnhaus. Dazu kommen die oben analysierten architektonischen Wiedersprüche. Weiter wäre die Zehntscheune das älteste Gebäude an dieser Stelle wäre es auch nur konsequent wenn die übrigen Grenzverläufe im Norden sich an jenen Linien der Zehntscheune gerichtet hätten was aber nicht der Fall ist. Für mich erscheint deshalb logischer, dass zunächst das Wohnstallhaus entstanden war, die Lagerkapazitäten darin aber bald nichtmehr ausreichten um die Zehntabgaben zu lagern was einen Neubau erforderte - die Zehntscheune.

 

Umbauten und Erweiterungen

Es gäbe nun noch eine andere Deutung die eine gleichzeitige Erbauung von Zehntscheune und Allodium erlaubt. Obwohl die beiden Gebäude unterschiedlich ausgerichtet sind gibt es eine Möglichkeit diese dennoch schlüssig miteinander zu verbinden. Dabei müsste man die Giebelmauer der Zehntscheune nach Süden verlängern bis diese auf den Verlauf der westlichen Außenmauer des Allodiums trifft. Spielt man dieses Szenarium durch läge die nördliche Giebelmauer des Allodiums einige Meter weiter im Süden und könnte so auf eine der beiden massiven Innenwände des Allodiums stossen deren genaue Lage jedoch nicht bekannt ist. Auch das würde theoretisch passen. Bei dieser Lösung stellt sich jedoch die Frage des Eingangs in die Kemenate. Es ist dann nicht wirklich wahrscheinlich, dass dieser von Westen her erfolgte. Schlüssig wäre bei dieser Lösung lediglich der Haupteingang von Norden durch den Wirtschaftsteil des Gebäudes. Die beiden identifizierten, massiven Zwischenwände die das Allodium unterteilen lassen auf Erweiterungen des Gebäudes schliessen, die in unterschiedlichen Phasen stattgefunden haben. Dadurch würde sich zwar dann auch die Möglichkeit ergeben das Gebäude von Westen zu betreten doch wäre dieser Zugang zum einen im Wirtschaftsteil und zum anderen in einem recht spitz zulaufendnen Dreieck. Darum halte ich es für wahrscheinlicher, dass es eine Ringmauer im Westen gab, der Eingang geschützt hinter dieser lag und die Zehntscheune erst zu einem späteren Zeitpunkt errichtet wurde.

 

Bauzeit des Allodiums

Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass der erste Adelssitz derer von Cronheim die massive Kemenate, also das spätere Pfarrhaus war. Der schnelle gesellschaftliche Aufschwung der Herren von Cronheim im 12./13. Jahrundert (wir finden wohl eine Tochter des Burchard, Gertrud, unter den Ordensschwestern des berühmten Frauenkloster Hohenberg auf dem Odilienberg während der Amtszeit der Äbtissin Herrad von Landsberg (*1125/30, 25. Juli 1195)) bewog wohl Burchards Söhne dazu eine repräsentativere und besser befestigte Burg (möglicherweise bedingt durch die beschränkten Ausbaumöglichkeiten des Grundstücks worauf das Allosium stand)  weiter westlich zu errichten - Vorgänger des heutigen Schlosses. Nicht auszuschließen, dass der um 1180 (1280? - Rossmeissl wiederspricht sich dort) errichtete Kirchturm ursprünglich als Bergfried dieses neuen Schlosses gedacht war (Form und Größe sprechen durchaus dafür). Zwischen Kirchturm und erstem Bauabschnitt des Schlosses liegen nämlich lediglich rund 16 Meter Abstand. Mit dem Umzug in das neue Schloss verlor das Allodium an Bedeutung und wurde schließlich der Kirche als Pfarrhaus vermietet. Diesem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass heute noch so viel von der ersten Burg Cronheim vorhanden ist.

Was nach meiner Theorie nach wie vor nicht passt ist das wirkliche Baujahr des Pfarrhauses. Ohne Zweifel wurde es 1749 von Matthias Seybold umgebaut. Rieds Beschreibung, dass drei der vier Außenwände vom Vorgängerbau stammen deckt sich sowohl mit der Zeichnung von 1670 als auch dem Fundamentplan des Pfarrhauses. Das es 1632/33 gebrannschatzt wurde ist auch überliefert. Weiter wissen wir, dass sich Pfarrer Hass bereits 1564 über den extrem baufälligen Zustand des Gebäudes beklagte den Pfarrer Wagner 1631 gar als lebensgefährlich beschreibt. Dass das befestigte Allodium bereits gestanden haben muss als es Hans von Cronheim in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu einer Vorburg ausbauen ließ berichtet uns Rossmeissl. Doch wann wurde es tatsächlich gebaut? War es wirklich bereits um 1140? Ich denke dass dies nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Ich bin verleitet zu denken, dass der heutige Keller ursprünglich das Erdgeschoss des Vorgängerbaus war. Es ist nicht von weit hergeholt, wenn man davon ausgeht, dass das Geländeniveau im 12. Jahrhundert gut einen Meter tiefer lag als heute (massive Geländeaufschüttungen von bis zu 1.70 Meter gab es nach Rossmeissl [Fußnote S. 23] auch beim Kirchturm). Der heutige Kellerraum stieß ursprünglich an den Kamin der Kemenate. Die Wandnischen die man heute dort sieht könnten durchaus die einstigen Türdurchgänge in die anderen Räume markieren die im Gegensatz zum heutigen Keller beim Umbau 1749 mit etwa einem Meter Schutt aufgefüllt wurden. So ließe sich sehr gut das vorhandene Mezzanin (Halbgeschoss) erklären. Auch die exakt halbrunde Gewölbetonne passt gut in die Zeit der Romanik. Nun aber der Haken: Bei einem Teil des Gewölbes wurde wohl bei der denkmalpflegerischen Voruntersuchung im Jahre 2011 der Putz entfernt. Der freigelegte Teil ist in Ziegelmauerwerk ausgeführt - nun? Um die fragliche Erbauungszeit im 12. Jahrhundert waren in dieser Gegend Ziegelsteine als Baumaterial nicht üblich. Eine Ziegelei in Cronheim ist erstmals 1408 erwähnt.

Aber wie für fast alles habe ich auch dafür eine Erklärung parat: Stimmt meine Annahme, dass beim Umbau 1749 mit Ausnahme des heutigen Kellers die übrigen Räume teilweise aufgefüllt wurden, ergab sich dadurch ein unterschiedliches Fußbodenniveau. Somit war eine Treppe notwendig die, um sie begehbar zu machen, mit einer steigenden Stichkappe in das Gewölbe getrieben werden musste. Solche "Operationen" sind durch die empfindlichen Widerlagerpunkte, die den Druck des Gewölbes auf die Außenwände weitergeben, äußerst kritisch und sind etwa vergleichbar mit einem Kartenhaus bei dem man eine Karte herauszieht. Das kann gut gehen, oder halt eben nicht. Nun kann es durchaus sein, dass dabei das alte Gewölbe einbrach und nun mit Ziegelsteinen wieder neu aufgemauert wurde. 

 

Was steht heute noch vom mittelalterlichen Allodium?

 

Ohne Grabungen lässt sich diese Frage nur schwer beantworten und kann deshalb nur theoretisch beantwortet werden. Wie eingangs erwähnt beschreibt Ried, dass beim Bau des neuen Pfarrhauses 1749 dieses auf die telweise vorhandenen Erdgeschossmauern des Vorgängebaus aufgesetzt wurde. Neuere Fundamentpläne bestätigen diese Aussage. Die Mauerstärke des Allodiums betrug 92 cm die sich an der Ost-, Süd- und Westseite wiederfinden. Die Mauerstärke der Grundmauern im Norden betragen lediglich 65 cm. Somit war dies die Mauer die von Grund auf neu errichtet werden musste. Geländeaufschüttungen dürften heute einen Großteil der mittelalterlichen Mauern verdecken. Nur innerhalb der letzten 70 Jahre wurden an der Ostseite etwa 60 cm aufgeschüttet. Dies lässt sich an der Treppe des Hauseingangs, die heute nur noch eine Stufe umfasst, sehr deutlich erkennen. Früher befand sich dort eine Freitreppe. Der Keller liegt etwa ein Meter unterhalb des heutigen Geländeniveaus. Auch im Keller dürfte es wohl noch etwa 20 bis 30 cm Aufschüttung gegeben haben um den zur Zeit des Umbaus dort eingebrachten Ziegelboden in einem Sandbett verlegen zu können. Das alte Mauerwerk könnte somit heute noch etwa bis zur Brüstungshöhe der ersten Fensterreihe reichen was dann dem Erdgeschoss des Vorgängerbaus entspräche.

 

Von der ehemaligen Zehntscheune und der Ringmauer im Osten ragen noch etwa 2.5 Meter des Mauerwerks über das heutige Geländeniveau hinaus. Unklar jedoch ist, ob es sich dabei noch um das Originalmauerwerk handelt oder ob zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Mauer darauf errichtet worden ist wie es Ried andeutet. So oder so braucht es nur wenig Phantasie sich das ursprüngliche Bauwerk vorstellen zu können. Wenn altes Mauerwerk zu einem späteren Zeitpunkt ersetzt wurde, dann geschah es mit großer Wahrscheinlichkeit an gleicher Stelle.

 

Schlussbetrachtung

Betrachtet man die gewonnen Indizien im Gesamtkontext ergiebt sich für mich folgendes Bild:

 

Obgleich etwa vier bis fünf Meter in der ursprünglichen Länge gekürzt entsprechen die Grundmauern des heutigen Pfarrhauses in weiten Teilen jenen des ersten Bauabschnitt des Herrenhauses des Allodiums, welches in frühreren Bauphasen zweimal nach Norden verlängert wurde bis es auf die in der Zeichnung dargestellte Länge erreichte. Die Ringmauer, der gewaltige Kamin, die beiden massiven und hohen Vollgeschosse und der ebenerdige Zugang lässt eine herrschaftliche Kemenate aus der Zeit des Mittelalters in Form eines Festen Hauses vermuten. Die Bauzeit lässt sich zwischen 1140 und 1350 eingrenzen. 

 

Ob sich meine Theorie über das Allodium bewahrheitet oder nicht. Da auch vom Schloss Cronheim und von der Wehrkirche St. Maria Magdalena noch reichlich Bausubstanz vorhanden ist denke ich das Burgenliebhaber bei einem Besuch Cronheims so oder so voll auf ihre Kosten kommen.

Alle guten Dinge sind neun...

September 2017 - von Markus Schäfer

 

Gebäude aus dem Hochmittelalter sind sehr rar. Einer der Gründe ist, dass diese damals vorwiedend in Holzbauweise errichtet wurden das naturgemäß altert. Es gibt zwar durchaus alte Fachwerkhäuser, das älteste in Deutschland steht nach neuesten Untersuchungen in Esslingen und wurde im Jahre 1261 gebaut, doch folgt man der offiziellen Definition von "Hochmittelalter", endete diese Epoche bereits 1250. Gebäude aus Stein waren extrem teuer und deshalb selten. Diesen Luxus konnten sich nur die Kirche und der Adel leisten. Die Gebäude der letzteren mussten gleich mehrere Zwecke erfüllen. Sie sollten repräsentativ sein, ausreichend Platz für Familie, Bedienstete und Gefolge bieten, möglichst Platz um darin  Werkstätten, Lagerraum und Stallungen unterzubringen und noch obendrein bei drohender Gefahr Schutz für die Untertanen bieten. Dies führte unweigerlich dazu, dass diese bei Konflikten häufig gleich mehrfach zerstört wurden. Falls diese wieder aufgebaut und nicht als günstige Steinbrüche verwendet wurden, geschah dies meist in stark veränderter Form um sie dem neuesten Stand der Wehrtechnik und der Mode der Zeit anzupassen. Es gibt wohl in Deutschland nicht eine hochmittelalterliche Burg die sich heute noch so präsentiert wie sie einst einmal gebaut wurde. Meist erhielen sich davon nur einzelne Mauerteile oder der oft meterdicke Bergfried.

 

Wohl niemand hätte den historischen Gebäuderesten des hochmittelalterlichen Gebäudes in Cronheim eine Träne nachgeweint, hätte sich Mitte des 18. Jahrhunderts der fürstbischöfliche Baubeamte, Architekt und Eichstätter Hofbildhauer Matthias Seybold dazu entschlossen es dem Erdboden gleich zu machen. Man muss bedenken, dass zur Zeit Seybolds vom ehemaligen Bauwerk lediglich noch die über hundert Jahre zuvor ausgebrannte Gebäudehülle stand. 

 

Dank einer Verkettung von neun glücklichen Umständen und vor allem dem umsichtigen Architekten Matthias Seybold entging das hochmitteralterliche Gebäude dem vollständigen Abriss. Auch wenn man es kaum vermuten mag, erhielt sich noch so einiges von der ursprünglichen Anlage bis heute, was selbst geschulten Augen verborgen blieb. Dank dem Pfarrer und Archivator Karl Ried, der in großer Detailarbeit die Geschichte des Ortes Cronheim in seinem Werk "Cronheim ein ehemaliger Adelssitz" 1935 publizierte gelang es mir die Geschichte des Gebäudes, welches heute als Pfarrhaus bekannt, fast lückenlos aufzuarbeiten. Doch selbst Ried erkannte nicht was sein Pfarrhaus nach Seybolds geschickten Umbau war - "ein Wolf im Schafspelz" - denn das Pfarrhaus war nicht immer ein Pfarrhaus.

 

Beginnen wir mit dem Bau der nach Angaben von Rossmeissl in der Zeit um 1140, zeitgleich mit dem Bau des ersten Wohnturms, des späteren Cronheimer Schlosses erfolgte. Um seine Machtstellung auszubauen beabsichtigte Burchard von Cronheim den Bau eines befestigten Rittergutes. Damals wurden diese Höfe als Allodium oder Dominicale bezeichnet. Darin wohnte häufig der Ortsadel selbst. Diese Gebäude wuchsen nicht selten zu einer vollständigen Burg im heutigen Sinne. Heute versteht man unter dem Begriff "Burg" hauptsächlich jene massiven, steinernen Bauwerke die mit Türmen, Wällen, Gräben, dicken Mauern, Schiessscharten, Fallgitter und Zugbrücke ausgestattet sind oder waren. Im Frühmittelalter und selbst noch im Hochmittelalter bestanden viele Burgen jedoch aus Erdwällen, Gräben, Flechtzaunwerk und Holzgebäuden. Sie waren geeignet, kleinere Angriffe abzuwehren und boten der Bevölkerung des Dorfes Schutz. Derartige Gebäude bedurften damals im fränkisch-germanischen Reich der ausdrücklilchen Genehmigung des Königs. Nur er besass das Burgenbauregal (auch Burgbau- oder Befestigungsrecht genannt) - also das Recht befestigte Anlagen zu bauen oder es anderen zu erlauben. Dieses Recht ging erst etwa 100 Jahre später an die Landesherren über. Ob nun diese, um 1140 errichtete erste Burg in Cronheim, bereits mit Steinmauern errichtet wurde konnte ich bislang nicht klären. Rossmeissl erwähnt lediglich den Bau eines befestigten Wirtschaftshofs um 1140 ohne jedoch Quellenangaben zu nennen. Vergleiche die ich mit einem ähnlichen Steingebäude aus dieser Zeit, dem romanischen Haus in Bad Kösen, unternahm legen es auf Grund der Bauweise und der Abmessungen nahe, dass diese erste Burg in Cronheim in der Tat von Anfang an in Stein errichtet worden war. Es war ein Zweckbau und hat sich kaum von einem herkömmlichen Wohnstallhaus unterschieden. Der wesentliche Unterschied bestanden in der Befestigung. Das Allodium war von einem umlaufenden Graben und einer Ringmauer geschützt. Es war somit genau genommen die erste Burg in Cronheim. Die Hoftore, man mag es kaum glauben, existieren noch heute. Selbstverständlich nichtmehr in der ursprünglichen Form. Heute ziert das einfache Holztor im Osten ein Regenbogen mit der Aufschrift "Kindergarten Cronheim". Durch dieses Tor tritt man in den ehemaligen Burghof. Ob es noch das Originalmauerwerk der Ringmauer ist welches den Vorhof des Kindergartens umgibt oder ob es später durch neueres Mauerwerk an gleicher Stelle ersetzt wurde müsste genauer erforscht werden. Noch besser versteckt ist das ehemalige Westtor. Auch dieses gibt es noch heute - besser gesagt, an gleicher Stelle befindet sich auch heute ein Tor - die Zufahrt zum Pfarrhof. Der alte Graben ist noch in einem Plan von 1977 eingezeichnet. So auch die breite Sandsteintreppe die 1864 über diesen gebaut worden war und die Ringmauer im Süden die lediglich etwa 3.5 Meter lang war kurz nach dem Tor an die Haumauer anschloss.

Zurück zum ursprünglichen Thema "...alle Guten Dinge sind neun" Denn das Allodium entging in der Tat wohl neun mal seiner vollständigen Zerstörung. 

 

Zum ersten Mal Glück

 

Wie mir scheint erlebten die Herren von Cronheim bereits kurz nach dem Bau des Allodiums einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. So fand ich im Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg, zur Zeit als Herrad von Landsberg (geb. um 1125/30, gest. 25. Juli 1195) dort Äbtissin war, die Ordensschwester Gertrud von Kreinheim, wohl eine Tochter des Burchard von Cronheim. Dies konnten sich nur sehr wohlhabende und einflussreiche Familien leisten. Als Zweckgebäude errichtet verlor das Allodium wohl schon wenige Jahrzehnte nach der Erbauung die Aufmerksamkeit und das Interesse der Herrschaft, denn bereits Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts begann man, nur wenige Meter westlich vom Allodium, mit dem Bau eines repräsentativen und besser bewehrten Wohnturms. Vielleicht wollten die Söhne des Burchard von Cronheim, Marcward und Adilbert "von Craginhei" jeder sein eigenes Domizil haben wodurch eine neue Burg daneben entstand. Eine solche Doppelburg war damals nichts ungewöhnliches, dafür finden sich viele Beispiele. Möglicherweise war der um 1180 errichtete Kirchturm ursprünglich als Bergfried der "neuen Burg" gedacht. Zeitlich passt diese Datierung auf die Söhne Burchards als Erbauer. Später zog wohl die gesamte Herrschaft in die "neue Burg" um und vermietete das alte Herrenhaus der Kirche, die es von nun an, und für die nächsten etwa 800 Jahre als Pfarrhaus nutzte. Und was war dabei das Glück? Bauaktivitäten richteten sich mehrheitlich auf die "neue Burg". Man verzichtete darauf das Allodium umfangreich umzubauen und zog einen kompletten Neubau eines standesgemäßeren Profanbau vor. Folglich änderten die Herren von Cronheim am ursprünglichen Bauzustand des Allodiums nicht viel. Ebensowenig die Kirche - das Gebäude war ja schliesslich nur gemietet. 

 

Zum zweiten Mal Glück

 

Nur einmal noch, Mitte des 14. Jahrhunderts, richten die Herren von Cronheim ihre Bauaktivitäten wieder auf das Allodium, nämlich als sie dieses zum Schutz ihres Schlosses als Vorburg ausbauten. Da das Allodium bereits befestigt war, genügte es eine Ringmauer zwischen dem Amtsknechthaus und dem Allodium zu errichten und diese mit dem Schlossbau zu verbinden. Es war nicht nötig das Allodium dafür wesentlich zu verändern. Ich vermute, dass der alte Burggraben ziemlich genau dem heutigen Grundstücksverlauf in Süden und Westen folgte, also dort wo heute der kleine Grünstreifen verläuft. Da die neue Ringmauer nun Schutz bot, wurde dieser Graben überflüssig und wohl bereits damals zugeschüttet. Zusätzlich baute man nun eine große Zehntscheune im Norden. Schenkt man einer Zeichnung glauben die das Allodium um 1670 zeigt, nutzte man die westliche Ringmauer des Allodiums als Giebelwand der neuen Zehntscheune. Von einem Tor oder auch nur einer Türe die vom "alten Burghof" des Allodiums in die Zehntscheune geführt hätte fehlt jedoch jede Spuren. Dafür gibt es nur zwei Erklärungen. Eine davon ist, dass das alte Allodium bereits zovor zwei Innenhöfe hatte. Einen kleineren zur Hauptstrasse (Giebelseite der Zehntscheune) und einen großen gegen Westen Richtung neues Schloss hin. Ein derart großer, zweiter Innenhof scheint für die Zeit im 12. Jahrhundert jedoch sehr unwahrscheinlich. Wahrscheilicher ist wohl, dass die Zehntscheune zu einem späteren Zeitpunkt gebaut worden sein muss, wohl also zu dem Zeitpunkt als in der Mitte des 14. Jahrhunderts der Entschluss gefasst wurde das Schloss durch eine Vorburg zu sichern. Wäre die Zehntscheune zur gleichen Zeit wie das Herrenhaus des Allodiums entstanden hätte man mit Sicherheit einen gesicherten Zugang vom Innenhof zur Scheune gebaut. Schaut man sich den Kartasterauszug von 1825 an war die Zehntscheune auf die Achse des Schlosses ausgerichet und folgte nicht dem Verlauf der Ringmauer des Allodiums. Auch scheint sie auf jüngeren Zeichnungen von 1803 wesentlich breiter als auf der Zeichnung von 1670. Ich konnte jedoch auch keine Hinweise darauf finden das die im 14. Jahrhundert errichtete Zehntscheune nach dem Brand 1632 komplett abgerissen und von Grund auf neu gebaut und neu ausgerichtet wurde. Vielleicht findet sich ja noch etws zu diesem Thema - die Grundmauern der Zehntscheune stehen ja noch... Wie auch immer, das dürfte, nebst eventuellen Reparaturen alles gewesen sein was damals am Allodium verändert wurde. Die massiven Aussenwände der Gebäude der Vorburg bildeten somit einen Teil der Ringmauer. Um zur Kirche zu gelangen baute man noch eine Toranlage Richtung Süden die sich der dortigen Ringmauer anschloss und fertig war die enorme Vorburg. 

 

Wo lag dabei das Glück? Um das Vorhaben einer Vorburg zu verwirklichen musste das Allodium nicht wesentlich verändert werden - der ursprüngliche Grundriss des Allodiums blieb bestehen und wurde nun Teil der gesamten Verteidigungsanlage des Schlosses was dessen Wichtigkeit erhöhte und das Fortbestehen sicherte.

 

Zum dritten Mal Glück

 

1397 gerieten die Herren von Cronheim in Streit mit ihren Verwandten, den Herren von Wiesenthau. Dabei wurde die mit Korn gefüllte Zehntscheune niedergebrannt. Das Schloss wurde verschont denn darin zogen die Herren von Wiesenthau nach dem Streit ein. Aber auch das Allodium hatte Glück man brannte zwar die Zehntscheune nieder nicht aber das Allodium, wohl weil der Pfarrer darin wohnte.

 

 Zum vierten Mal Glück

 

Das Raubrittertum der Herren von Wiesenthau blieb nicht ohne Folgen. Dabei gerieten sie nun mit dem Burggrafen von Nürnberg in Streit der 1403 auszog um die Raubritternester in der Gegend auszuheben. Dabei brannte er auch das Schloss Cronheim nieder. Die Nutzung des Allodiums als Pfarrhaus schützte es ein weiteres mal davor niedergebrannt zu werden. Möglich das zu dieser Zeit die Herren von Cronheim wieder im Allodium wohnten. 

 

Zum fünften Mal Glück

 

Anfang des 16. Jahrhunderts war das Allodium baufällig geworden. Knapp bei Kasse um selbst die aufwendige Renovierung durchzuführen zog Pfarrer Haß bereits vor 1560 ins Frühmesshaus um, da weder die jetzigen Eigentümer, die Herren von Leonrod, noch die Mieter, das Bistum Eichstätt, Interesse hatten die Renovierungskosten zu übernehmen. Dazu kam das Cronheim die Brandenburgische Kirchenordnung annahm und somit protestantisch geworden war. Es war also nicht daran zu denken, dass die katholische Kirche dem abtrünnigen Pfarrer ein heimeliges Nest einrichtet. Auch nicht als es 1630 dem Eichstätter Hexenbischof, Fürstbischof Johann Christioph von Westersteten gelang das gesamte Rittergut von Nikolaus Fugger abzukaufen. Da es nun zwei konkurierende Pfarrer in Cronheim gab und die protestantische Pfarrfamilie Boeckler im Frühmesshaus wohnten blieb dem neu eingesetzten Hirten Pfarrer Wagner keine andere Wahl als wieder in das Allodium einzuziehen dessen Bauzustand nun überaus bedrohlich geworden war. Er schrieb am 6. Januar 1631 an den Fürstbischof von Eichstätt, dass er nur „mit Lebensgefahr“ darin wohnen könne, da der Pfarrhof nur noch stünde, weil er auf vier Stützen hänge. Dem jämmerlichen Zustand machten Truppendurchzüge im 30-Jährigen Krieg ein Ende in dem das gesamte Allodium samt Zehntscheune 1632 in Brand gesteckt wurden. Nach meinen Recherchen stand das Frühmesshaus dort wo heute das Haus Nr. 68 steht, also schräg gegenüber des Allodiums. Die katholische Kirche war sich wohl zu dieser Zeit ungewiss ob das Dorf wieder katholisch wird oder protestantisch bleibt. 

 

Und wo ist dabei das Glück für das Allodium??? Zeitlich passt der Zeitraum von der letzten größeren Renovierung Mitte des 14. Jahrhunderts mit dem beschriebenen Bauzustand von 1560 gut zusammen. Nach nun rund 200 Jahren in denen wohl nur kleinere Reparaturen durchgeführt worden waren stand nun wieder eine kostspielige Gesamtsanierung an. Demnach hatte sich kaum etwas an der Bauform des Allodiums geändert. Auch nicht in den Folgejahren bis zum Bericht des Pfarrer Wagner. Selbst der Brand war gewissermassen ein Glücksfall. Den niemanden kümmerten die Ruinen des Allodiums. Sicherlich stritten sich die Kirche und die Eigentümern des Rittergutes wegen der Kostenübernahme. Der Pfarrer hatte ein "altenatives Pfarrhaus" im Frühmesshaus gefunden, die Herren auf Cronheim sassen im neuen Schloss. Niemand wollte das Allodium wieder aufbauen aber auch niemand zum Abbruch freigeben. So wurde es nicht wie damals üblich als Streinbruch für andere Bauten misbraucht. 

 

Zum sechsten Mal Glück

 

Der Kaufvertrag des Rittergutes Cronheim von 1630 wurde 1652 als unrechtmässig erklärt und so ging das Rittergut zurück an deren ursprünglichen Eigentümer, den Herren Fuchs von Bimbach. An Abriss- oder Wiederaufbauarbeiten des in Schutt und Asche liegenden Allodiums dachte auch dieser nicht. Es gehörte ihm zwar offiziell doch war es offiziell auch das Pfarrhaus und so kam es das lediglich die von beiden genutzte Zehntscheune wieder aufgebaut wurde nicht aber das Herrenhaus. Das Glück: nichts änderte sich am Allodium.

 

Zum siebten Mal Glück

 

Erst am 10. Januar 1671 gelang es Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell das gesamte Rittergut Cronheim für Eichstätten rechtmäßig zu erwerben. Nach den vielen Eigentumswechseln war man sich wohl auch diesesmal nicht so sicher wohin die Reise mit dem Kirchenort Cronheim gehen würde. So begann man 1674 zaghaft zumindest den Platz auf dem das Allodium stand aufzuräumen. Die noch verwertbaren Balken und Ziegel des Allodiums wurden gelagert. An Abriss oder Aufbau war nicht zu denken. Schliesslich war man nun im Besitz des gesamten Rittergutes und so war es zunächst einfacher und günstiger dem Pfarrer eine Wohnung im Schloss einzurichten als den Pfarrhof im Allodium. So wurde 1700 die Meierei im Schloss als Wohnung für den Pfarrer hergerichtet. Die Ruinen des Allodiums lies man weiter in den Himmel ragen.

 

Zum achten Mal Glück

 

1727 war nun auch die Behausung im Schloss herunter gekommen. Der damalige Pfarrer Kraus, der das Dachgeschoss der ehemaligen Meierei im Schloss bewohnte meldete schon damals Mängel an seiner Unterkunft an. Viel änderte auch seine Beschwerde nicht denn auch sein Nachfolger Pfarrer Mursch berichtete am 22. Juni 1742, dass es beim letzten Regen in die Betten geregnet habe. 1743 wurde diese Bewohnung vom Hofmaurermeister in Eichstätt untersucht und ein Kostenvoranschlag erstellt. Doch auch danach passierte nicht viel bis nun am 2. März 1748 der Eichstätter Bauamtsinspektor Matthias Seybold ein neues Konzept für das Allodium vorlegte.

 

Man darf es wohl als glücklichen Umstand bezeichnen daß nach dem Dreißigjährigen Krieg das Geld bei der Kirche noch immer knapp war und die Mittel nicht ausreichten das nunmehr zunehmens baufällig werdende Schloss komplett zu Sanieren. Es brauchte wohl einiges die Kirchenoberhäupter in Eichstätt davon zu überzeugen eine Lösung für ein Pfarrhaus im Pfarrsprengel Cronheim zu finazieren. Seybolds Konzept sah vor von der Renovierung des Schlosses und der darin befindlichen alten Meierei abzusehen und statt dessen das ruinierte Allodium in zeitgemäßem Stil wieder aufzubauen. Dieser Plan wurde 1748 gehemigt. Nun kam die Zeit des genialen Architekten Matthias Seybold. Ein Wiederaufbau des Allodiums im alten Stil kam nicht in Frage. Die Rittergutsarchitektur des Hochmittelalters mit winzigen Fenstern und kargen Fassaden war nichtmehr zeitgemäß. Der Finanzierungsplan hingegen war eng geschnürt. Dennoch sollte das neue Pfarrhaus ein repräsentatives Gebäude werden das auch höher gestellten Kirchenoberhäuptern auf deren Durchreisen als Herberge dienen konnte. Mit der Wahl Matthias Seybolds als Architekten traf das Bistum Eichstätt die richtige Entscheidung. Er war ein wahres Genie den man mit allem Respekt auch als Minimalist bezeichnen darf. Matthias Seybold hatte es verstanden mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. 

 

Ich habe immer wieder die alten Zeichnungen mit den Bauplänen des jetzigen Gebäudes verglichen und je länger ich das tat umso mehr wurde mir bewusst wie genial Matthias Seybold die Sache löste. Spätestens bei den Aufräumarbeiten war ihm klar das vieles des alten Allodiums wiederverwendet werden konnte - nicht nur das Material, nein, ganze Mauerzüge. Dies sparte Zeit und Geld. Er beliess die gesamte Mauer gegen Osten, einschliesslich der alten Ringmauer. Ebenso die Mauern gegen Süden. Dort brach er lediglich den obersten Teil des Giebelmauerwerks ab den das neue Walmdach nichtmehr benötigte. Auch die Hälfte der Mauer gegen Westen erhielt er. Die andere Hälfte davon lies er abbrechen. Die alte Giebelmauer gegen Norden musste er nun zurückversetzten um die gewünschte, nahezu quadratische Grundform zu bekommen, die dem barocken Zeitalter entsprechen sollte. Vielleicht schielte er dabei etwas in die nördliche Nachbargemeinde Wald wo die Herrn von Falkenausen eben erst ihr neues Schlösschen im Barockstil von Carl Friedrich von Zocha erbauen ließen.

Wenn man die Pläne und die Zeichnungen vergleicht kommt man gar zum Schluss, dass Seybold die Zwischenwände des Wohnstallhauses, die einst den Wohntrakt vom Wirtschaftstrakt trennten, nicht vollständig abreisen ließ. Vielmehr kürzte er diese lediglich womit er sich viel Arbeit ersparte um neue Aussenwände für das benötigte Back- und Waschhaus zu erstellen. Nun brauchte er lediglich noch die Wände abmauern und fertig war das Nebengebäude. Die ehemaligen kleinen Fenster liess er großzügig erweitern. Auch für einen neuen Zugang zur Hauptstrasse hin diente wohl eine ehemalige Fensteröffnung die entsprechend erweitert wurde. Stimmt die Zeichnung von 1673 befand sich der Haupteingang des alten Herrenhaus etwa dort wo sich heute die Hofzufahrt befindet und war damals schon zweigeschossig gebaut. Es blieb also nur noch den obersten Teil der südlichen Giebelwand abbzutragen um Platz für die neue Walmdachlösung zu schaffen. Somit zeigte sich das mittelalterliche Allodium ohne wesentlichen Umbau als zeitgemäßes Barockgebäude. Ob es tatsächlich so geschah müsste genauer untersucht werden. Denkmalamtliche Untersuchungen und Grabungen die 2009 an der Westseite vorgenommen wurden scheinen dies jedoch zu bestätigen. Somit scheint, dass von dem hochmittelalterlichen Allodium noch ein beträchtlicher Teil steht. Wären also die historischen Mauern des Allodiums damals nicht von Matthias Seybold wieder im Stil der Zeit bewohnbar gemacht, beziehungweise einem neuen Zweck zugführt worden hätten diese wohl das gleiche Schicksal wie die historische Zehntscheune und die 1755 erbaute Pfarrscheune erlebt. Während zumindest die Erdgeschossmauern der Zehntscheune eine neue Nutzung als Gartenmauern für den Kindergarten erfuhren verschwand die Pfarrscheune beim Neubau des Kindergartens vor einigen Jahren komplett. Einem Umbau der das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes derart stark veränderte wie der Umbau des hochmittelalterlichen Allodiums zu einem damals hochmodernen Barockbau, würden heute jeden Denkmalpfleger in eine Schockstarre versetzen.

 

Zum neunten Mal Glück

 

Kirchenreformen bei der Pfarrgemeinden zusammengelegt wurden machten das Pfarrhaus in Cronheim überflüssig denn es gab keinen Pfarrer mehr der darin wohnte. Ein vollständiger Abriss wurde vom Landesamt für Denkmalschutz abgelehnt. Pläne den Pfarrhof grundlegend zu renovieren wurden seitens der Kirche aus Kostengründen abgelehnt. Dank Peter Christ, dem Pfarrpfleger von Cronheim, dem das Haus am Herzen liegt, war stets jemand vor Ort der ein Auge auf das Pfarrhaus behielt, es regelmässig lüftete und somit grössere Schäden vermied, bis sich schliesslich nach über zwanzig Jahren Leerstand ein Käufer für das Pfarrhaus fand dessen Vorliebe für Geschichte dem historischen Gebäude hoffentlich eine würdevolle Zukunft beschert.  

 

Älter als Gedacht!

August 2017 - von Markus Schäfer

 

Langeweile kommt beim Projekt Allodium Cronheim mit Sicherheit nicht auf. Die ausführlichen Recherchen zum Gebäude lesen sich wie ein spannender Roman. Als wir das Gebäude erworben hatten war uns bewusst das es ein altes Gebäude war. Es wurde uns erzählt, dass es 1749 erbaut wurde. Wer der Architekt oder Baumeister war, war nicht wirklich bekannt. Wir haben uns die Mühe gemacht und Indizien über das Gebäude gesammelt und diese wie ein Puzzle zusammengefügt und kommen zum Entschluss dass das Gebäude wohl im Kern romanisch ist und es sich dabei um den Wohnteil des um 1140 gebauten Allodiums handeln muss. Damit hätte das Gebäude gut 600 Jahre Mehr auf dem Buckel und wäre somit das älteste Gebäude überhaupt am Ort ist. 

 

Das was heute allgemein als der Pfarrhof bekannt ist, ist genau genommen die erste Burg von Cronheim. Das "Allodium" war bereits im Hochmittelalter mit Mauern und Gräben bewehrt. Der Zeitpunkt der Erbauung lag um 1140 für dessen Bau der König selbst die Baugenehmigung erteilen musste. Vieles spricht dafür, dass das Haus bereits zu dieser Zeit in Steinbauweise errichtet wurde. Ansehlich war das Gebäude wohl nicht, was auch nicht wirklich der eigentliche Zweck war. Vielmehr musste es fest bewehrt sein um dem Ortsadel und der Bevölkerung bei Gefahr Schutz bieten zu können. Dazu musste es eine wirtschaftliche Funktion erfüllen. Schönheit und Ästhetik waren (noch) nicht gefragt. Es musste also einen befestigten Innenhof haben wo die Bauernfamilien samt Vieh Schutz fanden, weiter mussten darin Vorräte gelagert werden. So wählte man die Bauform eines Wohnstallhauses. Das Wohnhaus und der Wirtschaftstrakt wurden im 14. Jahrhundert getrennt als man sich dazu entschloss Nordwestlich der Anlage eine separate Zehntscheune zu bauen. Das beheitzte Herrenhaus, auch als Kemenate bezeichnet, befand sich am Südende des Allodiums. Wohl bereits wenige Jahre nach dem Bau des Allodiums entschied man sich wohl zu Beginn des 13. Jahrhunderts dazu westlich davon ein repräsentativeres Wohngebäude zu erstellen. Das Herrenhaus des Allodiums vermieteten die Herren von Cronheim der Kirche die daufhin dort das Pfarrhaus einrichtete. 

Diesem Umstand verdanken wir heute, dass noch vieles von der ursprünglichen Bausubstanz vorhanden ist, worauf ich gleich näher eingehen werde. Zum einen war der Ortsadel nichtmehr allzusehr daran interessiert Umbauten und Modernisierungen am alten Herrenhaus voranzutreiben denn ihr Fokus richtete sich bereits ab dem 13. Jahrhundert eher auf das neue Schloss, noch war es die Kirche - schliesslich war das Gebäude ja lediglich gemietet. Dank Pfarrrer Ried, der vorhandene Urkunden und Dokumente sichtete um die Ortschronik von Cronheim zu schreiben wissen wir viele Kleinigkeiten über den Pfarrhof doch auch er erkannte anscheind nicht dass das alte Pfarrhaus eigentlich das alte Allodium war. Er beschrieb wie sich die jeweiligen Pfarrer über jahrhunderte hinweg über den erbärmlichen Bauzustand ärgerten. Man kann dadurch fast lückenlos ablesen das es sich wohl immer um das gleiche Gebäude handelte. Es wird beschrieben das Mitte des 14. Jahrhunderts eine Vorburg des Schlosses errichtet wurde welches sich an das bereits befestigte Allodium anschloss. Das deutet darauf hin, dass das Allodium dasjenige Gebäude war das um 1140 mit königlicher Genehmigung errichtet wurde. So liegen zwischen Erst- und Zweitnennung etwa 200 Jahre. Dabei wurden mit grosser Wahrscheinlichkeit Aussbesserungsarbeiten am Allodium vorgenommen und es wieder "fit" für die nächsten 200 Jahre gemacht. Das deckt sich mit der nächsten Erwähnung Mitte 16. Jahrhunderts. Dabei beschwert sich Pfarrrer Haß über den jämmerlichen Bauzustand was nach 200 Jahren seit der letzten grundlegenden Renovierung nicht verwundert. Doch die Renovierung im zweihundertjahre Zyklus blieb aus bis nun rund 100 Jahre später Pfarrer Wagner sich in dramatischer Weise darüber äussert das er lediglich "unter Lebensgefahr" im Pfarrhof hausen kann. Nun kann man sich bildlich vorstellen dass das Allodium zu dieser Zeit einer Ruine gleichsah. Ried beschreibt sehr schön, dass als das Haus 1632 im Dreissigjährigen Krieg schliesslich ausbrannte niemand traurig darüber war. Und auch in den nächsten 100 Jahren geschah nichts bis dann schlussendlich 1749 der Wiederaufbau erfolgte. Und nun haben wir den 200 Jahres- Renovierungszyklus wieder überschritten und das Pfarrhaus muss nun wieder für die nächsten 200 Jahre fit gemacht werden.

 

Nun dann, packen wir es an!!! 

 

Zentralheizung - heutzutage ein Muss!

07. Mai 2017 - von Markus Schäfer

 

Die Liebe zu historischer Bausubstanz und ein Herz für das "Wohnen wie damals" kennt seine Grenzen. Strom und fliessendes Wasser sind seit langem Standard in historischen Bauwerken. Kaum ein Schloß, ein Herrenhaus eine Kirche wo das heute nicht vorhanden ist. Den Einbau von Zentralheizungen wurden in der Vergangenheit jedoch so manchem Eigentümer von historischen Gebäuden untersagt. Heute hat man eingesehen, dass wenn man historische Bausubstanz auch noch für die nächsten Jahrhunderte erhalten möchte Zugeständnisse im Denkmalschutz unabdingbar sind. So ist es heute durchaus erlaubt ein modernes Badezimmer und Zentralheizung in historischem Wohnraum zu installieren. 

Im Pfarrhof in Cronheim möchten wir, wenn möglich, das historische Erscheinungsbild auch im inneren erhalten. Eine besondere Herausforderung dabei ist der Einbau einer Zentralheizung. In einigen Räumen sind nach wie vor die Original Fußböden verlegt. Somit kommt der Einbau einer "unsichtbaren" Fußbodenheizung nicht in Frage. Fensternischen sind bis auf Fußbodenhöhe ausgeführt. Heizradiatoren darin unterzubringen wäre zwar machbar würde aber den Blick unwillkürlich darauf lenken. Wir haben lange nachgedacht und viel recherchiert was wir tun können um einen Kompromiss zwischen Historie und Wohnstandard zu finden. Nun glauben wir eine Lösung gefunden zu haben. Diese lautet "Gebäudehüllentemperierung". Um eine Machbarkeitsstudie auszuarbeiten haben wir einen, wenn nicht DEN Spezialisten, Henning Großeschmidt, zu einem Ortstermin am Freitag den 19. Mai 2017 zu uns eingeladen. Wir hoffen das sich unser Pfarrhof für diese neuartige Heizmethode, die sonst meist nur in Museen, Kirchen und Schlössern zur Anwendung kommt, eignet. Nicht nur das Gebäudeinnere würde somit nachhaltig gegen Schimmel und Feuchtigkeit saniert auch die Außenwände könnten durch die thermische Sanierung erdberührter Flächen so behandelt werden dass die vorhandenen Feuchtigkeitsprobleme auch ohne eine aufwändige Drainage, Sanierputz, Horizontalsperren und Spezialanstrich in den Griff bekommen werden können. Die Temperieranlage bliebe dabei nahezu unsichtbar.

 

Wir freuen uns sehr auf das Treffen mit Henning Großeschmidt. Falls jemand Interesse hat beim Ortstermin dabei zu sein, bitte durch das Kontaktformular bei uns melden.

 

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