Wie wir auf unserer Homepage darlegen, sind wir zur Überzeugung gelangt, dass der ehemalige Pfarrhof in Cronheim ursprünglich einen ganz anderen Zweck hatte und auch wesentlich älter sein muss als dies offiziell angenommen wird. Warum wir vermuten, dass es sich bei diesem Gebäude ursprünglich um einen Königshof gehandelt haben muss und was sich vom Vorgängerbau noch bis heute erhalten dazu lesen Sie den untenstehenden Artikel.

Cronheim - ein Etappenziel der Staufer?

von Markus Schäfer, Cartago, September 2018/ März 2019

Der Dorfkern Cronheims mit Schloss, Kirche und Wirtschaftshof, zeigt dem heutigen Besucher ein harmonisches Bild aus vergangenen Tagen. Nur derjenige der etwas tiefer in die Geschichte Cronheims eintaucht wird feststellen, dass etwas an der Anordnung und den offiziellen Rollen der Gebäude nicht so richtig passt. Im 14. Jahrhundert erweiterte Hans von Cronheim sein Schloss mit einer Vorburg gegen Osten. Dabei integrierte er den bereits befestigten Wirtschaftshof und baute eine große Zehntscheune, deren Grundmauern noch bis 10. März 2019 standen bevor sie unachtsam abgerissen wurden, daran an. Ziel der Vorburg war es die Hauptburg somit besser vor Angriffen zu schützen. Bei all seinen Anstrengungen übersah er jedoch einen gewaltigen Schwachpunkt - den benachbarten frei zugänglichen Kirchturm. Für den Nürnberger Burggrafen, war es somit bei seinem Angriff 1403 eine Leichtigkeit die Burg im Handstreich in Schutt und Asche zu legen. Bestens geschützt durch die dicken Mauern des Kirchturms konnten die Bogenschützen in aller Ruhe ihre Brandpfeile präzise in den benachbarten Wohnturm lenken. Wilhelm von Cronheim, der Enkel des Hans, hatte aus der schmerzhaften Erfahrung gelernt und integrierte deshalb bei seinem Burgausbau im 15. Jahrhundert die Kirche in ein gesamtheitliches Verteidigungskonzept in dem er diese zu einer Wehrkirche ausbauen lies. Somit konnte er den Zugang zum gefährlichen Kirchturm kontrollieren und verteidigen. Doch warum machte man zur vermeindlichen Bauzeit beider Gebäude im 12. Jahrhundert den gravierenden Fehler zwei wehrhafte Türme nur einen Steinwurf voneinander entfernt zu bauen und dabei einen der Türme völlig offen und ungeschützt zu lassen? Auch die Bauform des Wirtschaftshofes (in der Zeichnung unterdimensioniert dargestellt), mit dem herrschaftlichen Kamin, eigener Bewehrung, übergrossen Wohn- und vergleichsweise winzigen Wirtschaftsteil passt eigentlich nicht in die Rolle die man ihm offiziell zuschreibt. Sicherlich gibt es einen Grund dafür. Eine mögliche Erklärung dafür möchte ich in dieser Publikation zur Diskussion stellen.

Einleitung

Die Erstnennung Cronheims geht um das Jahr 1140 zurück. Es war die Zeit als Konrad von Staufen als Erster dieses bedeutsamen Geschlechts legitim den deutschen Königsthron bestieg. Sein Vater, Herzog Friedrich von Schwaben, hatte die Stammburg der Staufer bei Göppingen errichtet von wo aus er und seine Söhne das staufische Machtimperium ausbauten. In der Reichsburg in Nürnberg, auf die sie durch die Eheverbindung mit den Saliern berechtigen Anspruch hatten, lag einer der Schlüssel zu ihrem Erfolg, weshalb König Konrad von Staufen und sein Bruder Friedrich II. diese exakt um die Zeit der Erstnennung Cronheims zu einer Königspfalz ausbauten. Wie wichtig Burg Nürnberg für die Staufer war zeigt, dass sie diese sofort besetzten als 1125 ihr Cousin Kaiser Heinrich V. ohne einen männlichen Nachfolger verstarb um somit deren Anspruch auf Nürnberg zu bekräftigen. Auch in Rothenburg o.d.T. errichtete Konrad 1142 eine neue pfalzartige Burg. Die Harburg, die nachweislich 1150 von den Staufern bewohnt wurde, kam ebenfalls um 1140 in den Besitz der Staufer. Besteht zwischen der Erstnennung Cronheims und den neuen Burgen der Staufer in Nürnberg, Rothenburg und Harburg eventuell ein Zusammenhang? Welche Reisewege benutzten die Staufer um von ihrer Stammburg bei Göppingen zu insbesonder zu ihrer Pfalz in Nürnberg zu gelangen? Und wo lagen ihre Quartierplätze auf dem Weg dorthin? War die Anlage in Cronheim vielleicht ursprünglich als ein Königshof geplant, ein Quartierplatz in dem der Landesfürst auf seinen Reisen bequem übernachten konnte? 

 

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Staufer ihre strategisch wichtigen Burgen so miteinander vernetzen, dass in Krisenzeiten Truppen schnell von einem Punkt zum anderen verlegen konnte und in Friedenszeiten einen sicheren und bequemen Reiseweg boten auf dem auch die Versorgung einer größeren Reisegesellschaft gewährleistet war. Die Reiserouten und damit verbunden die Quartierplätze waren damals durch eine Reihe von Faktoren bestimmt die es zu analysieren gilt:

 

Faktor Politik

Die Politik des jeweiligen Landesfürsten darf wohl als wichtigstes Entscheidungskriterium für eine Reiseroute genannt werden. Denn bereits das Betreten einer anderen Herrschaft konnte als Verletzung von Hoheitsgebieten verstanden werden und zu ernsthaften Konflikten ausarten. Reiserouten wurden desahlb so gewählt dass sie entweder auf Eigengebiet oder wo das nicht möglich war auf Gebieten wohlgesinnter Fürsten lagen. Entscheidend für unsere Studie ist die Zeit und die politische Situation um die Erstnennung Cronheims in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Fassen wir deshalb kurz die politische Lage zwischen 1100 und 1150 zusammen. Friedrich I. von Staufen war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Heinrichs IV. und der Übertragung der Herzogswürde im Herzogtum Schwaben zu einer der mächtigsten Männer im Reich aufgestiegen. Er und seine beiden Söhne Konrad und Friedrich II. erwarben Güter im Ries um dort ihre Hausmacht zu festigen. Nach dem Tod ihres Vaters führte Friedrich II. den Herzogentitel im geteilten Schwaben weiter. Sein jüngerer Bruder Konrad wurde 1116 zum Herzog von Ostfranken ernannt, verlor dort jedoch seine Macht wieder sehr früh als es zur Aussöhnung zwischen Heinrich IV. und dem Würzburger Bischof kam, dem er das Herzogtum zuvor zu Gunsten Konrads entzogen hatte. Konrad verblieb lediglich das Titularherzogtum. Als Herzog von Ostfranken hatte er seinen Sitz auf der Reichsburg in Rothenburg, war dort jedoch ohne wesentlichen politischen Einfluss. Auf die Burg Nürnberg erhoben die Staufer nach dem Tod des letzten Salierkönig Anspruch. Sie bildete zu jener Zeit ein wichtiges Machtzentrum. Regelmäßige Reisen von ihrer Stammburg Hohenstaufen bei Göppingen dorthin waren für sie wohl schon zur Regierungszeit der Salier, unabdingbar. Nebst den Reichsburgen Rothenburg und Nürnberg waren Harburg und die Staufer Stammburg Hohenstaufen wichtige militärische Stützpunkte die so miteinander vernetzt sein mussten, dass bei Gefahr Truppen schnell von einer zur anderen Burg verlegt werden konnten. Zur Regierungszeit König Konrad III. von Staufen lag in Harburg vermutlich stets ein kampfbereites Heer. Dies schliesse ich aus einem Brief vom 8. Februar 1150 worin der Sohn Köning Konrad III. Heinrich VI, darin selbst als König bezeichnet, über einen Angriff Herzog Welfs VI. auf die Staufische Burg Flochberg berichtet wobei es Heinrich gelang Welfs Nachhut "agminis extrema" mit Hilfe seiner "schnellen Reiter" die von Harburg aus zu Hilfe eilten zu schlagen, dabei 300 Ritter gefangenzunehmen und etliche Pferde zu töten. Ein vollständiger Sieg wurde durch die anbrechende Nacht verhindert.[11] Mit dem Bistum Bamberg lag Konrad spätestens ab dem Streit um die Königskrone mit den Süpplinsburger im Streit. Die Bamberger Stiftsvögte, die Herren von Abenberg, waren Grafen Rangau und wohl auch im Radenzgaun obgleich die Grenzen beider Gaue nicht klar definiert werden können. Nach Dietz[11a] reichte die Nordgrenze des Rangaus bis zur Quelle der Aurach. Eine hohenlohische Urkunde aus dem Jahr 1387 zählt Markt Berolzheim, Seinsheim, Weigenheim (das ursprünglich jedoch zum Gollachgau gehörte) als Orte im Rangau auf. Auch in einer Aufstellung des Heilsbronnischen Klosteramts zählt Besitzungen die nördlich von Rothenburg ob der Tauber liegen zum Rangau.[11b] Auch Ansbach (Onoldesbach), südlich dieser Orte gehörte seit jeher zum Rangau. Obleich der genaue Grenzverlauf der Gaue im 12. Jahrhundert nicht eindeutig feststeht, zeigt sich, dass eine direkte Verbindung von Burg Hohenstaufen zur Burg Nürnberg zweifelsfrei durch den Rangau verlief, der südlich an den Sualafeldgau der Herren von Lechsgemünd grenzte. Der Rangau der Herren von Abenberg schottete also den direkten Zugang zu Nürnberg sowohl von Rothenburg als auch von Hohenstaufen gegen Norden und Westen ab. Zwischen 1130 und 1140 bauten die Abenberger ihre Stammburg zu einer der mächtigsten Steinburgen im Land aus was durchaus mit dem Streit zwischen dem Bistum Bamberg und den Staufern im Zusammenhang stehen dürfte. Das gewaltige Turmhaus mass 15.6 x 14.6 Meter und hatte eine Mauerstärke von 2.4 Metern! Die Lechsgemünder waren wie die Staufer treue Unterstützer der Salier und waren mit den Herren von Staufen durch Heirat verwandt. 1139 bot sich nach dem Tod Cunos von Harburg die Möglichkeit ihren Einfluss auf ehemaliges Gebiet der Lechsgemünder auszudehnen. 

 

Das Ries zählt bekanntlich zu den Stammlanden der Staufer. Zu den frühen politischen Zielen der Staufer gehörte die Erweiterung der Stammlande. Wie bereits erwähnt nutzten die Staufer jede Gelegenheit die sich ihnen bot dort Eigenbesitz zu erwerben. Im Osten grenzte deren Gebiet an den Sualafeldgau mit deren Grafen von Lechsgemünd die über Heiratsverbindungen mit den Staufern verwandt waren. Im Norden grenzte der Sualafeldgau an den Rangau welcher damals zum Herrschaftsgebiet der Herren von Abenberg zählte, die als Hochstiftsvögte von Bamberg eine machtvolle Stellung in der Gegend einnahmen. Der wohl sicherste Reiseweg der Staufer war jener durch die eigenen Stammlanden wo sie auch entsprechenden Eigenbesitz hatten. Dort war auch die Versorgung mit Proviant sichergestellt. Aus den Stammlanden rekrutierten die Landesherren auch ihre Soldaten die zu Friedenszeiten deren Güter bewirtschafteten. Weiter ist zu bedenken, dass Konrad zwar formal noch Herzog in Ostfranken war, er seine Macht dort weitgehend wider verloren hatte als das Herzogtum wieder zurück an das Bistum Würzburg fiel. Auf die beiden Bistümer Würzburg und Bamberg, die Konrad zeitweise erbittert bekämpfte, konnte sich Konrad zu dieser Zeit kaum verlassen. Reisen durch die Herrschaftsgebiete in denen diese Bistümer das Sagen hatten galt es wohl möglichst zu vermeiden. Im Herzogtum Schwaben hingegen, obgleich geteilt, war die Macht der Staufer in Nordschwaben unangefochten, insbesondere im Ries wo sie viele Eigengüter hatten. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts fanden die Staufer nebst den Bistümern Würzburg und Bamberg wenig Unterstützung von den Welfen, den Sachsen und den Zähringern. Diese Situation änderte sich vollständig in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter der Regierung von Konrads Neffen Kaiser Friedrich I., auch bekannt als Barbarossa.

 

Faktor Distanz

Die Burgen Hohenstaufen und Nürnberg liegen Luftlinie 128 Kilometern voneinander entfernt. Entlang dieser Linie befinden sich Ellwangen, Dinkelsbühl Burk, Bechhofen, Altendettelsau, Rohr und Stein. Verbindet man die Burgen Rothenburg und Harburg ergibt sich eine Distanz von 76 Kilometern. Auf Höhe dieser Linie liegen Schillingsfürst, Dombühl, Feuchtwangen, Dürrwangen, Weiltingen und Alerheim. Zwischen den Burgen Nürnberg und Harburg im Osten, ergibt sich eine Distanz von 80 Kilometern. Auf dieser Linie befinden sich Schwabach, Abenberg, Spalt, Absberg, Theilenhofen, Auernheim, Wemding und Huisheim. Die Harburg und Burg Rothenburg sind 76 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Nahe dieser Linie liegen die Städte Nördlingen, Oettingen, Wassertrüdingen, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen und Schillingsfürst. Zwischen Burg Harburg und der Burg Hohenstaufen liegen 71 Kilometer. Entlang der 90 Kilometer langen Strecke von Eichstätt nach Rothenburg liegen Weißenburg / Treuchtlingen, Gunzenhausen und Herrieden. Es ist zwar naheliegend, dass man möglichst den kürzesten Verbindungsweg nimmt doch dies war häufig durch weitere Faktoren ausgeschlossen. 

 

Faktor Flussübergänge

Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Flussübergänge. Brücken, die für uns heute selbstvertändlich sind, waren im 12. Jahrhundert äusserst selten. Selbst kleinere Flüsse stellten natürliche Barrieren speziell bei schlechten Wetterbedingungen dar. Reisewege mussten deshalb so gewählt werden, dass entweder Brücken oder Furten zur Verfügung standen wo die Flüsse überquert werden konnten. Wie wichtig Furten waren spiegelt sich in manchen Ortsnamen wieder die sich im Laufe der Zeit zu mächtigen Stüdten entwickelten wie beispielsweise Fürth, Erfurt, Frankfurt, Ochsenfurt, Furtwangen etc. Die grössten Flüsse auf dem Reiseweg von Hohenstaufen nach Nürnberg waren: Rems, Kocher, Jagst, Wörnitz, Altmühl, Rezat, Rednitz und die Pegnitz. 

 

Faktor Berge und Hügel

Steile Anstiege und Gefälle wurden, wenn möglich, vermieden. Je nachdem wie steil der Anstieg war mussten bei Gespannen vorgespannt werden, d.h. man spannte ein weiteres Zugtier vor das Gespann das meist von lokalen Bewohnern an dieser Stelle zur Verfügung gestellt wurde, vor den Wagen was eine gewisse Abhängigkeit generierte. Man nahm daher eher einen längeren Weg in Kauf als über einen steilen Anstieg zu reisen. 

Faktor Logistik

Der Transport von Gütern und Menschen erfolgte im Mittelalter meist über Straßen. Aber auch Flüsse waren zur damaligen Zeit ein wichtiges Transportmedium obgleich nicht auf derm Reiseweg von Hohenstaufen nach Nürnberg. Die Straßen waren damals größtenteils unbefestigte Wege die sich bei schlechten Witterungsverhältnissen in Schlammpisten verwandelten. Eine Ausnahme bildeten die Römerstraßen. Diese wurden schon damals ausgekoffert und mit einem nachhaltigen Steinbelag versehen. Man darf daher davon ausgehen, dass die Römerstraßen selbst Jahrhunderte nach ihrem Bau für Reisen und Transporte bevorzugt wurden wo immer diese zur Verfügung standen. Wenn wir uns das fragliche Gebiet zur Römerzeit anschauen stellen wir fest, dass dies damals als Provinz Raetia bezeichnet wurde, welches mit dem obergermanisch-raetischen Limes and das nichtrömische Germania Magna grenzte. Dieses Gebiet war mit wichtigen Handelswegen und Militärstraßen durchzogen, etwas was es zu dieser Zeit in Germania Magna in dieser Form nicht gab. Die Römerstraßen waren auch bei schlechten Witterungsverhältnissen befahrbar; ein enormer Vorteil wenn man mit einem größeren Gefolge oder Kriegszeug reiste.  Die Staufer scheinen den strategischen Vorteil von Römerstraßen gekannt zu haben. Göppingen, wo die Staufer ihre Stammburg errichtet hatten lag an solch einer Römerstraße. Diese führte von Heidenheim an der Brenz (römisch Aquileia) nach Bad Cannstadt. Auch Lorch, wo die Staufer ihr Hauskloster errichteten lag an einer wichtigen Römerstraße die den nord-östlichen Teil der römischen Provinz Raetia mit dem Römischen Reich verband. Die Römischen Verkehrsknotenpunkte im Ries lagen bei Bopfingen (das römische Opia) und Gnotzheim (römisch Mediana). Eine dieser Straßen führte vermutlich von Lorch über Aalen (Alae) nach Bopfingen (Opia). Von dort nach Munningen (Losodica) weiter nach Gnotzheim (Mediana). Vermutlich führte auch eine Straße von Bopfingen dem Limes folgend über Halheim, Ruffenhofen, Unterschwaningen, Cronheim nach Gunzenhausen. Dort endete auf der Reise nach Nürnberg das römische Straßennetz. Theilenhofen (Iciniacum) lag bereits südlicher vom Reiseweg Göppingen/Nürnberg.

 

Faktor Reisegeschwindigkeit

Reisen waren zur damaligen Zeit sehr anstregend. Eine Reisegesellschaft konnte je nach Größe und Straßenverhältnissen etwa 3 bis 5 Meilen (1 Meile = ca. 7.5 km) pro Tag zurücklegen. Wurden Ochsenkarren mitgeführt, die größere Lasten bewegen konnten und auch bei weniger guten Straßenverhältnissen ein Durchkommen fanden, halbierte sich in etwa die Reisegeschwindigkeit. Da sich die Herrscher längere Zeit auf Reisen befanden so führten Sie auch ihren Hausrat sowie Waffen und Kleider mit sich, das in Truhen auf Frachtwägen verstaut war. Auch mit einem Reitpferd waren Tagesleistungen von 50 Kilometern kaum zu erbringen.[1a] Pro Tag legte demnach eine Reisegesellschaft etwa eine Distanz von von ca 4 Meilen (30 Kilometer) im besten Fall von 6 Meilen (45 Kilometer) zurück. Gerechnet wurde damals weniger nach Distanz als mehr nach Zeit.

 

Faktor Unterkunft

Auf der Reiseroute zwischen den Stauferburgen musste es demnach alle 30 bis 45 km eine geeignete Unterkunft gegeben haben in denen man sicher übernachten konnte und ebenfalls Reiseproviant zur Verfügung stand. Nehmen wir nun die Distanz von Burg Hohenstaufen zur Burg Nürnberg von 128 Kilometer Luftlinie rechnen noch einmal etwa 15% da es keinen kerzengeraden Weg zwischen den beiden Punkten gibt. Das ergibt eine Reisedistanz von rund 147 KM. Damit ergibt sich eine Unterkunftszahl von 4 (bei einer Tagesleistung von 30 KM) beziehungsweise 3 (bei einer Tagesleistung von etwa 45 KM) auf dieser Reise. Wir können weiter daraus schliessen, dass es mit Sicherheit eine Unterkunft im Umkreis von ca. 90 Kilometern gab (diese erreichte man am zweiten Tag bei einer Tagesleistung von 45 Kilometer beziehungsweise am dritten Tag bei einer Tagesleistung von 30 Kilometern). 

 

Königshöfe / Königspfalz

Gewöhnliche Reisequartiersplätze werden als Königshöfe bezeichnet. Quartiersplätze wo sich der König samt Gefolge über einen längeren Zeitraum aufhielten werden als Königspfalz bezeichnet. Königshöfe waren leicht bewehrte Guts- oder Wirtschaftshöfe auf denen meist ein von dem jeweiligen Landesherrn eingesetzter Verwalter saß. Im Unterschied zu einer Königspfalz waren diese meist kleiner und dienten weniger als Verwaltungssitz des Königs wo Hoftage abgehalten werden konnten als mehr als Aufenthaltsorte bei der Durchreise des Königs und als Versorgungsstationen. Dass die Staufer die Reichsburgen in Nürnberg und Rothenburg zu einer Pfalz ausbauten is bekannt. Über die Lage der staufischen Königshöfe hingegen ist jedoch weniger bekannt. Wie muss man sich einen Königshof vorstellen? Ein Königshof, oder eine Königspfalz hatte primär nicht die Funktion eines militärischen Verteidigungskomplexes wie es etwa bei einer Burg der Fall war.[12] Ein Königshof diente dem Fürsten eher als Rastplatz wo er sich nach den Strapazen der Reise erholen konnte bevor es meist bereits am nächsten Tag weiter ging. Wie dargelegt dauerte eine Reise von Göppingen nach Nürnberg 4 bis 5 Tage. Ein Königshof war deshalb eher auf Kompfort und Bequemlichkeit ausgerichtet. Dort wollte man sich am offenen Kamin aufwärmen, angemessen speisen und bequem ruhen. Deshalb hat die Architektur der Pfalzen und Königshöfe sehr wenig gemein mit jener einer Burg, wie man an den berühmten Pfalzen in Gosslar, Ingelheim oder Aachen unschwer erkennen kann. Dennoch, ganz ungeschützt waren auch diese Plätze nicht. Der Hauptfokus galt jedoch dem Saal- und Wohnbau. Dieser sollte möglichst viel Kompfort bieten. Dies geschah auf Kosten der Wehrfähigkeit. So befand sich dort zum Beispiel der Eingang ebenerdig. Ebenso waren die Gebäude beheizt. Ein Speisesaal mit repräsentativer Raumhöhe welcher die Macht des jeweiligen Fürsten hervorzuheben gehörte ebenfalls dazu. Weiter musste ein Platz gegeben sein um Zelte aufschlagen zu können für das übrige Gefolge. Darüber hinaus musste ein Königshof wirtschaftliche Pflichten übernehmen. Daher musste die Möglichkeit gegeben sein dort Vorräte einzulagern und Pferde auszutauschen. 

 

Klöster

Klöster wurden häufig als Übernachtungsplätze auf Reisen gewählt da sie in der Regel leicht bewehrt waren und somit sowohl Schutz als auch Schlafplätze bieten konnten. Kirche und Adel lagen häufig aber auch im Streit weshalb wohl lediglich Klöster in Frage kommen die dem jeweiligen Herrscher nahe standen. Sicherlich nutzten auch die Staufer auf Ihren Reisen Klöster als Herbergen. Folgende Klöster könnten auf der Reiseroute von Burg Hohenstaufen zur Burg Nürnberg gelegen haben:

 

Kloster Lorch

Das Kloster Lorch war das Hauskloster der Staufer. Friedrich I. von Staufen, der Vater Konrads, stiftete das Kloster 1102. Dort konnten die Staufer ein und aus gehen und wurden mit Sicherheit bei ihren Aufenthalten reich verköstigt. Dazu lag es am Limesknie und war and das römische Straßennetz angebunden.

 

Kloster Ellwangen

Zur fraglichen Zeit hielt in Ellwangen Abt Adelbert von Ronsberg (1136-1172) das Zepter des Klosters in der Hand. Die Herren von Ronsberg standen unter besonderer Gunst der Staufer. Es war kein anderer als Konrad von Staufen der den Herren von Ronsberg 1147 in die Grafenwürde erhob. Es ist dehalb anzunehmen, dass den Staufern die Tore von Ellwangen offen standen.

 

Kloster Bechhofen

Das Kloster Bechhofen lag zwar auf der direkten Reiseroute wurde aber erst 1422, also lange nach der Zeit Konrads von Staufen gegründet und scheidet deshalb als mögliche Unterkunft aus.

 

Kloster Schillingfürst

Auch die Lage des Klosters Schillingfürst hätte sich für eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten. Doch dieses Kloster wurde erst 1673 gegründet und scheidet deshalb ebenfalls aus.

 

Kloster Herrieden

Das Kloster Herrieden wurde bereits 797 urkundlich erwähnt. Unter König Arnulf kam die Abtei 888 an den Bischof Erkanbald von Eichstätt. 1122 wird dort erstmals eine kleine Burganlage erwähnt.  Durch die Nähe der Staufer zu Eichstätt kommt dieser Ort als Reiseherberge durchaus in Frage.

 

Kloster Heilsbronn

Heilsbronn liegt nahe an der direkten Linie zwischen Hohenstaufen und Nürnberg. Das dortige Kloster wurde 1132 gegründet. Exakt die Zeit auf die wir unseren Fokus richten. Einziger Haken an der Sache ist, die Gründer waren nicht die Staufer sondern der Bamberger Bischof Otto I. mit dem die Staufer um die fragliche Zeit im Streit lagen. Es war also eher gegen die Staufer ausgerichtet und sollte zur Sicherung der Grenzzone dienen. Heilsbronn blieb zunächst Eigenkloster des Bischofs von Bamberg und stand unter der Vogtei der mächtigen Grafen von Abenberg. Nicht auszuschliessen dass das Kloster auch mit dem Hintergedanken gegründet wurde exakt diesen günstigsten Reiseweg den Staufern zu verbauen.

 

Ortschaften

Aus vielen Burgen wuchsen bedingt durch deren strategisch günstigen Lagen Städte hervor. Dort siedelten sich Handwerker und Kaufleute an. Häufig wurden diese Ortschaften mit Mauern bewehrt um den Bewohnern Schutz zu bieten. Orte wurden deshalb auch gerne von Reisegesellschaften angesteuert um dort sicher die Nacht zu verbringen. Untersuchen wir deshalb die möglichen Orte.

 

Dinkelsbühl

Zu einer der wichtigsten Handelsplätze der Staufer gehörte Dinkelsbühl welches 1188 erstmals als „burgum tinkelsbuhel“ in einer Heiratsurkundlich Kaiser Barbarossas für seinen Sohn Konrad von Staufen urkundlich genannt wird. Dessen strategische Lage ist wohl unbestritten. Es lag auf direkter Linie auf dem Weg zur Burg Nürnberg. Ferner lag es im Schnittpunkt der Routen von Rothenburg nach Harburg sowie der Route nach Nürnberg. Dennoch hege ich etwas Zweifel, dass Dinkelsbühl bereits zur Zeit König Konrads um 1140 dessen Anlaufziel war, gerade weil es so nahe an der Ideallinie lag und im weiteren Verlauf durch bambergisches Gebiet verlief wenn man nicht dort via Sinbron und Illenschwang nach Wittelshofen umschwenkt.

 

Burgen

Burgen boten eine sichere Unterkunft auf Reisen. Der Nachteil war, dass zu dieser Zeit die meisten Burgen recht klein waren. Es waren in der Regel kleine Motten, ein Wohnturm der auf einem Hügel stand und mit Gräben bewehrt war. Der Eingang lag bei solchen Bauten meist in einer Höhe von etwa 6 Metern und war nur durch eine kleine Holztreppe, die Gefahr hochgezogen werden konnte, zugänglich. Eine größere Reisegesellschaft konnte nur in den wenigsten Burgen aufgenommen werden. In unserem Fall kommen dafür wohl lediglich die Reichsburgen und die Sitze der Gaugrafen in Frage.

 

Burg Lentersheim

Die moderne Technik erlaubt mit Hilfe eines Oberflächenreliefs Mauern und Gräben der heute völlig bewaldeten Anlage zu erkennen. Wie sich aus den Grundrissen erkennen lässt misst sie eine Grundfläche von schätzungseise über 12.000 Quadratmeter! Eigenartigerweise konnte ich keine urkundlichen Belege finden die eine solch enorme Anlage beschreiben. Urkunden welche die Herren von Lenteresheim, die angeblichen Eigentümer der Anlage auf dem Schlösslebuck, im 12. Jahrhundert im näheren Umfeld der Staufer zeigt konnte ich ebenfalls nicht finden. Lediglich von deren Nachbarn, den Herren von Röckingen. Von diesen finden sich eine Handvoll Urkunden aus der fraglichen Zeit: 1123 Reimboldo de Roechingen[2]  auf einer Urkunde Heinrichs V. um 1135 als Regenpoto de Rochingen im Schenkungsbuch der Probstei Berchtesgaden[3], eine Urkunde vom 8. Juni 1147 worin König Konrad von Staufen den Grafen Reimbold von Rogging in einer Mission nach Italien schickt und in zwei weiteren Urkunden König Konrads von Staufen 1150[4] und 1152 (Regenboto de Roggingen)[5] jeweils das Kloster St. Blasien betreffend und letztmals 1153 in zwei Urkunden Friedrichs I.[6] und weiteren zwei Urkunden des Bischofs Konrad von Augsburg[7] alle ausgestellt im gleichen Jahr in Heiligenstadt. Eine deartig ausgebaute Feste auf dem Hesselberg wird aber nirgends erwähnt. Aus der erwähnten Schenkungsurkunde Heinrichs III. aus dem Jahr 1053 wissen wir, dass Gebiete dort dem Kloster Eichstätt übertragen wurden. War es nun Eigengut Heinrichs oder war es Reichsgut was er übertrug? Das könnte helfen die Frage zu klären wem die Burg auf dem Schlössleinbuck gehörte und wann sie erbaut worden sein könnte. Sicherlich gehörte sie zum Herzogtum Ostfranken wobei das Dorf Röckingen wohl noch zu Schwaben gehörte. Eine Feste in deartiger Größe wäre sicher irgendwie in Urkunden oder Berichten aufgetaucht. Erwähnt wird lediglich eine kleine Burg auf dem Schlössleinsbuck die bereits Mitte des 13. Jahrhunderts zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Diese Aussage würde mit dem östlichen Teil der Anlage einhergehen. Die enorme Vorburg ist wohl ein Werk welches aus jüngerer Zeit, vielleicht aus der Zeit des 30-Jährigen Krieges, stammt.

 

Burg Röckingen

Leider konnte ich keine Berichte finden welche hinweise über Größe bzw. Kapazität der Anlage gibt und wie sie ursprünglich dazu ausgebaut war um eventuell eine Reisegesellschaft eines Königs oder eines Herzogs beherbergen zu können.

 

Schloss Spielberg

Um es gleich vorweg zu sagen. Falls sich der staufische Quartiersplatz nicht in Cronheim befand dann lag er wahrscheinlich auf Burg Spielberg. Leider konnte ich keine wissenschaftlichen Untersuchungen der Burganlage in Spielberg finden woraus ich ersehen könnte ob die Burganlage im 12. Jahrhundert über einen Palas verfügte worin der König angemessen übernachten konnte oder nicht. Strategisch lag diese Burg excellent. Von dort aus bietet sich ein phantastischer Panoramablick. Dies hatten bereits die Römer erkannt weshalb sie zu Füßen der Anlage ein römisches Kastell errichteten. Leider ist nicht mit Sicherheit bekannt wer und von wem die spätere Burganlage Spielberg erbaut wurde. Dass es die Herren von Truhendingen waren, wie es heute häufig geschrieben steht, glaube ich persönlich nicht. Für mein Dafürhalten wurde die Anlage vom Kloster Eichstätt gebaut welche zur Grenzsicherung und Verwaltung dieses Gebiets die Herren von Gnotzheim einsetzten, die um 1099 mit Pertholt von Gnozzesheim belegt sind. Dieser erscheint als erster der schwäbischen Edlen in dieser Urkunde gefolgt von Udalrich und Witegou von Waltgershoven [Walkertshofen, Lkr. Augsburg], Gozpreht von Halensteine [Hohlenstein, Lkr. Aalen], Hartwic von Eppinespurch [Eppisburg, Lkr. Dillingen a. d. Donau], Rahcwin von Trohtolvingen [Trochtelfingen, Lkr. Aalen], Wilahalme von Biberbach [Lkr. Augsburg], Adalpreht von Gokelingen [Gögglingen, Lkr. Ulm], Adalpreht von Gekingen [Göggingen, Stadt Augsburg] und der aus dem Geschlecht der Grafen von Lechsgemünd stammende Kuno von Horeburch [Harburg, Lkr. Donau-Ries]. Das heisst, dass dieser Berthold von Gnotzheim rangmässig weit über Kuno von Harburg stand. (Mehr dazu in meinem Artikel Geschichte um Cronheim bis zum ersten Stauferkönig). In einer Urkunde von 1130 werden Heinrich und Dietprecht von Gnozzisheim, in einer weiteren Urkunde des gleichen Jahres die Brüder Heinrich, Diephart und Ödalrich von Gnottesheim genannt. Wahrscheinlich waren dies die Söhne jenes Berthold. Darf man der Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs III. vom 17. Mai 1056 glauben schenken so wurden die Orte (loca) Gnotzheim nebst den Orten Altentrüdingen, Schwaningen, Obermögersheim etc., dem Kloster Eichstätt übertragen. Spinnt man den Faden weiter so zählten vermutlich auch Altentrüdingen, Gnotzheim, Schwaningen, Lentersheim etc. ursprünglich zum Eichstättischer Besitz, somit auch die dortigen Burgen sofern diese im 11. Jahrhundert bereits existierten. Deren Rolle war die Grenzsicherung jener Eichstättischen Enklave die in der Schenkungsurkunde von 1056 beschrieben ist. Demnach waren die Herren von Truhendinger, Lentersheim so wie die erwähnten Herren von Gnotzheim / Spielberg ursprünglich Eichstättische Vögte. Das diese Geschlechter zum Mächtigen Nachbarn Schulterschluss suchten erscheint logisch. Auch dass sich viele solcher Vögte auf Kosten der Kirche "verselbstständigten" und selbst zu Grafen heran wurchsen war keine Seltenheit. Dieser Dietprecht oder Diephart von Gnotzheim kann deshalb durchaus identisch sein mit dem später häufig in Urkunden des Nürnberger Burggrafen und König Konrads von Staufen genannten Tibert von Spielberg. 1123 finde ich diesen erstmals als Tiberitus de Spileberch in einer Urkunde Kaiser Heinrichs V. betreffend des Klosters Alpirsbach. Darin tritt er gemeinsam mit Reimbodo de Roechingen und Cunradus de Arra auf.[8] Als Tibertus de Spilenberch wird er 1138 als Zeuge des Nürnberger Burggrafen Gottfridus praefectus de Norimberg gemeinsam mit Gottfrydus, Ulricus, Albertus de Holloch (Hohenlohe) erwähnt [9] und nochmals 1142 in zwei Urkunden König Konrads III. ausgestellt in Nürnberg.[10] Bei der zweiten Urkunde sind neben Tibert von Spielberg wieder Reimbod von Röckingen und Konrad von Arra genannt. In Burg Spielberg sehe ich jedoch eher einen militärischen Stüzpunkt des Klosters Eichstätt und weniger einen Königshof der Staufer. Den Anstieg auf den doch immerhin 642 Meter hohen Spielberg nahm man daher eher nur dann in Kauf wenn akute Gefahr drohte, nicht jedoch bei gewöhnlichen Reisen. Doch wie eingangs gesagt, die Burg Spielberg ist ein heisser Kandidat für eine Königspfalz obgleich wohl damals reichlich klein für ein grosses, königliches Gefolge.

 

Altendettelsau

Altendettelsau liegt auf der direkten Linie von Burg Hohenstaufen zur Burg Nürnberg. Es gab dort auch eine Burg die vermutlich von den Staufern errichtet worden war. Darauf verweisen die für die Staufer typischen Buckelsteinquarder im Keller des dortigen Schlosses. Das macht Altendettelsau zu einem heißen Kandidaten auf unserer Suche. Allerdings lag es um 1140 im Herrschaftsbereich der Abenberger und somit auch dem Bistum Bamberg. Auch die Erbauungszeit wird um 1200 datiert, also zu spät für König Konrad III.

 

Burg Abenberg

Die Burg Abenberg war im 11. und 12. Jahrhundert die Stammburg der mächtigen Herren von Abenberg. Sie waren Vögte des Hochstifts Bamberg und Grafen im Radenz- und Rangau der nördlich an den Sualafeldgau grenzte und standen deshalb zur Zeit Konrads von Staufen wohl eher auf der Seite des Bistums. Dies änderte sich wohl nachdem Konrads Enkel Friedrich „Barbarossa“ zum deutschen König gewählt wurde denn Graf Rapoto von Abenberg (*1122; gest. 1172) verkaufte einige seiner Güter an Barbarossa der diese 1158 in Reichsgut umwandelte.

 

Welche Reiserouten kamen für die Staufer in Frage?

Die direkteste Route um von Burg Hohenstaufen zur Burg in Nürnberg zu gelangen führte über Mögglingen - Heuchlingen - Laubach - Leinroden - Ramsentrut Neuler - Ellwangen - Ellenberg - Dinkelsbühl - Dürrwangen - Burk - Bechhofen über Altendettelsau, Heilsbronn, Roßtal und Stein nach Nürnberg. Die letzte Etappe dieser Route führte jedoch durch den Rangau der Abenberger, respektive dem Herrschaftsbereich des Klosters Bamberg. Mit dem Bistum Bamberg standen die Staufer zu jener Zeit nicht besonders gut. Darüber hinaus gab es dort keine römischen Straßen. Auch die Versorgung der Reisegesellschaft wäre auf die Gutmütigkeit anderer Herrscher angewiesen gewesen, die auch die Durchreise verbieten konnten. Die Strecke wäre wohl rund 25 Kilometer kürzer, respektive etwa einen Tag schneller und wurde wahrscheinlich später, als sich das politische Umfeld zu Gunsten der Staufer wendete, deren bevorzugte Reiseroute. Das war jedoch zur Regierungszeit Konrads als Titularherzog von Ostfrankens oder gar in der Zeit als Gegenkönig für ihn noch nicht Absehbar. Deshalb habe ich hier drei mögliche Alternativroute ausgearbeitet die es den Staufern erlaubten Abenbergisches Gebiet zu umgehen. Die "Nordroute" ist mit rund 150 Kilometern die kürzeste. Sie folgte wohl etwa dem Verlauf des Limes bis Gunzenhausen. Eine "Mittelroute" (ca. 174 KM), diese führte zunächst Richtung Westen nach Nördlingen, wo ich ebenfalls einen Quartiersplatz vermute. Dort zweigte diese Richtung Nord-Osten über Oettingen, Westheim, Ostheim nach Gnotzheim ab. Die "Südroute" (ca. 172 KM) verlief von Nördlingen weiter in Richtung Osten über Wemding (wohl ebenfalls Quartiersplatz), Otting und von dort Richtung Nord-Osten über Gundelsheim nach Treuchtlingen, Weissenburg nach Pleinfeld (möglicher Quartiersplatz knapp 30 Kilometer von Cronheim). Dort vereinen sich zwei der drei Routen um über Roth nach Nürnberg zu gelangen falls man sich nicht dazu entschied bei Gunzenhausen Richtung Petersgemünd abzukürzen.

Um in etwa die Distanzen zu berechnen benutze ich den Bayern Atlas der auch bekannte römische Strassen zeigt. Ich gehe davon aus, dass die Staufer in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bedingt durch die angespannte Lage im Reich in der Regel mit einem Gefolge von mindestens 150 Männern reisten die teilweise unberitten waren. Weiter denke ich wurde auf solchen Reisen ein Wagen für Proviant, Gepäck und Kriegsmaterial mitgführt wurde. Für eine durchschnittliche Tagesetappe setze ich deshalb eine Distanz von 30 Kilometer an. Um den Weg zu bestimmen setzte ich den Faktor Stammlande als den wichtigsten an erste Stelle. Als zweitwichtigsten Faktor wähle ich die römischen Strassen, halte mich deshalb soweit möglich an das Gebiet hinter dem Limes. Entlang des Limes vermute ich eine parallel verlaufende römische Militärstrasse. Schiesslich mussten die Wachtürme mit Truppen und Proviant versorgt worden sein was eine Strasse erforderlich macht. Als drittwichtigsten Faktor stelle ich die Distanz, der Reiseweg sollte so kurz wie möglich sein gefolgt vom Faktor Flussdurchkreuzungen / Furten. Als viertwichtigsten Faktor die Möglichkeit Berge umgehen zu können um Kräfte zu schonen. Damit lautet mein Vorschlag für Reisen von der Burg Hohenstaufen nach Nürnberg für Konrad von Staufen um das Jahr 1140 so:

 

Von der Burg Hohenstaufen Richtung Norden um dort auf die Römerstraße die von Lorch nach Aalen führte zu gelangen. Dieser Punkt dürfte sich in etwa dem heutigen Schwäbisch Gmünd befinden. Von dort aus die Lauter überquerend auf der römischen Hauptstrasse Richtung Osten, südlich der Rems folgend vorbei an Zimmern (KM 20) nach Böbingen an der Rems (römisches Kastell). Dort die Rems überquerend nach Mögglingen bis nach Essingen (KM 30). Dort vermute ich die erste Quartierstelle. Möglicherweise ging es auch noch ein paar Kilometer weiter auf dieser wohl gut ausgebauten Strasse bis nach Aalen (KM 36). Im 1136 genannten Dorf Alon gab es südlich der heutigen Kernstadt eine Burg die möglicherweise zur Übernachtung ebenfalls genutzt werden konnte. Obgleich diese Strasse die von Aalen aus im flachen Winkel Richtung Norden bis Marktoffingen aufsteigt um von dort aus schurgerade Richtung Osten bis mindestens Munningen (südlich von Oettingen) verlief wohl die am besten ausgebaute Strasse war, hätte ich mich dennoch vermutlich bereits ab Esslingen zu Gunsten einer kürzeren Strecke in nördliche Richtung entschieden um näher an der Ideallinie entlang des Limes zu reisen. So lautet mein Vorschlag bei Essingen die römische Hauptstrasse verlassend in Richtung Norden bis südlich von Dewangen durch welches der Limes verläuft. Dem Limes folgend in nord-östliche Richtung bis Hüttlingen; dort die Kocher überquerend weiter vorbei an BuchDalkingen nach Röhlingen (KM 20). Dann weiter über Pfahlheim (KM 25) nach Tannhausen. Von Esslingen bis Tannhausen sind es etwa 32 Kilometer. Das Geschlecht derer von Thannhausen stand den Staufern sehr nahe so dass deren Stammsitz sich als Übernachtungsmöglichkeit anbietet. Um nach Tannhausen zu gelangen, besteht auch die Möglichkeit bei Röhlingen Richtung Osten nach Zöbingen und von dort über Schneidheim von Süden her nach Tannhausen zu gelangen. An Tag 3 der Reise führt meine Route von Tannhausen zunächst Richtung Mönchsroth im Norden um dort wieder auf die Parallel zum Limes verlaufende Strasse etwa bei Eck am Berg zu gelangen. Dort Richtung nord-osten nach Wittenbach weiter nach Veitsweiler (KM 10). In Veitsweiler gibt es nun zwei Optionen. Man kann von dort aus wählen ob man den Hesselberg südlich oder nördlich umgehen möchte. Für die Nordroute, falls Eichstättisches Gebiet umgangen werden musste, geht der Weg weiter nach Weiltingen wo sich eine wichtige Furt über die Wörnitz nach Wörnitzhofen befand. Von Wörnitzhofen nach Wittelshofen, dort südlich vorbei an Grüb nach Ehingen (KM 20). Von Ehingen weiter in westlicher Richtung nördlich vorbei an Lentersheim nach Unterschwaningen. Danach südlich vorbei an Oberschwaningen zum Quartiersplatz nach Cronheim (31 KM). Für die Hesselberg-Südroute geht es nach Veitsweiler in östliche Richtung nach Frankenhofen. Von dort an deckt sich nun die Route mit jener die in der Urkunde Kaiser Heinrichs III. von 1053 beschrieben ist. Von Frankenhofen Richtung Nordwesten bis Irsingen. Von Irsingen Richtung Westen durch die Rindgaßfurt (auf halben Weg zwischen Gerolfingen und Reichenbach). Danach wieder gegen Norden bis zur Ost-Westverbidungsstraße die von Gerolfingen nach Röckingen führte. Von dort aus weiter Richtung Norden nach Lentersheim. Die "Hesselberg-Südroute" nach Cronheim wäre mit etwa 30.5 Kilometer etwa einen halben Kilometer kürzer als die "Hesselberg-Nordroute" gewesen. An Tag 4 von Cronheim über Unterwurmbach vorbei an Gunzenhausen (KM 10) und Absberg nach Stirn (KM 20)  zum Quartiersplant bei Petersgemünd (KM 30). Tag 5 der Reise: Von Petersgemünd nach Roth (KM 10), weiter nach Katzwang (KM 20) zur Königspfalz in Nürnberg (KM 34). Entlang dieser Route befinden sich im Ries in kurzen Abständen von oft lediglich 5 Kilometern Luftlinie zahlreiche kleine Burgen welche wohl dafür angelegt wurden diese Route zu sichern (Essingen, Treppach, Niederalfingen, Buch, Dalkingen, Röhlingen, Pfahlheim, Thannhausen, Burgstallhof, Greiselbach?; Willburgstetten, Veitsweiler?, Weitlingen, Wittelshofen, Ehingen, Lentersheim, Röckingen, Dennenlohe, Eybburg... Gesamtlänge dieser Route: 157 KM (Link zur Route - rote Linie: Reiseroute, blau Gebiet des Rangaus, grün Grenze des Herzogtums Schwaben / Herzogtum Ostfranken. schwarze Linie: Limes Verlauf, gelb: direkte Luftlinie, grau die Umgehung Kaiser Heinrichs III. von 1053)

 

Der entscheidende Vorteil einer Route über Cronheim, liegt meines Erachtens darin, dass dabei Abenbergisches / Bambergisches Herrschaftsgebiet auf kürzestem Weg umgangen werden konnte. Warum Cronheim und nicht Spielberg? Für Cronheim spricht vor allem die Baulichkeit des Wirtschaftshofs die der Bauform eines Königshofs zu jener Zeit sehr nahe kommt.[11] Dort gab es im Gegensatz zu Spielberg aussreichen ebenerdige Flächen um zahlreiche Zelte Aufschlagen zu können um so auch Platz für ein grosses Heerlager schaffen zu können. Ferner lag es direkt an einem Verkehrsknotenpunkt. Weiter muss man annhemen, dass Burg Spielberg dem Kloster Eichstätt gehörte und für ein mehrere Hundert Personen großes Gefolge schlicht zu klein war. Die Tatsache, dass Cronheim ausserhalb jenes Gebietes lag welches Heinrich III. Eichstätt übertrug eröffnet die Möglichkeit, dass es die Staufer erwerben konnten. Die Nennung jenes Burchard von Cronheim und des Gisilbert von Lellenfeld in der Fronhofer Schenkungsurkunde von 1140 deutet zumindest darauf hin, dass diese Güter in Cronheim den Staufern gehörten. Auch das wir 1167 das staufertreue Geschlecht der Herren von Lierheim als Burgherren der Burg Dennenlohe finden spricht dafür das Besitzungen nördlich der 1153 beschriebenen Eichstätter Enklave staufische Eigengut war. Mit Cronheim als Etappenziel war es möglich den grösstmöglichen Teil auf römischem Strassennetz und in staufischen Stammlanden zu reisen. Rechtsgeschäfte wie zum Beispiel abhalten von Gerichten und Gespräche mit deren Verwaltern konnten bei diesen Reisen ebenfalls stattfinden. Dazu kommt , dass die Versorgung mit Proviant in den Stammlanden gesichert war. Cronheim lag günstig ob mit großem oder kleinem Gefolge oder gar mit schwerem militärischem Material. Es liegt im Gürtel der errechneten 90+- Kilometer (teilbar sowohl durch 2 bei einer Tagesleistung von rund 45 Kilometer bzw. 3 bei einer Tagesleistung von 30 Kilometer) wo mit großer Wahrscheinlichkeit ein Quartierplatz gelegen haben musste. Doch es gab noch weitere Vorteile. Wie es scheint gab es zwischen Cronheim und Lellenfeld ein Tor im Limes. Dies schliesse ich daraus, dass es es zur römischen Zeit an dieser Stelle eine Siedlung auf beiden Seiten des Limes gab.[13] Gab es dort tatsächlich ein Tor, dann gab es wohl auch einen alten Weg Richtung Arberg welches die Möglichkeit eröffnete von Cronheim aus auf die direkteste Route via Altendettelsau umzuschwenken, falls es das politische Umfeld erlaubte. Falls das Herrschaftsgebiet der Abenberger und somit dem Bistum Bamberg umgangen werden sollte konnte man den Weg an dieser Stelle einfach Richtung Osten nach Unterwurmbach fortsetzen, wo eine Furt über die Altmühl nach Gunzenhausen genutzt werden konnte. Darüberhinaus führt die Cronheim-Route sehr nahe an der direkten Luflinie der beiden Standorte Hohenstaufen und Nürnberg entlang. Bis zu diesem Punkt hält sich also der Vorteil der direkten Route noch im Rahmen. Auch die Option die Wörnitz ohne grossen Zeitverlust an zwei verschiedenen Stellen überqueren zu können war sicherlich ein Plus. Cronheim lag relativ zentral. Von diesem Punkt lagen die für die Staufer strategisch wichtigen Punkte, Nürnberg, Rothenburg, Eichstätt und Aalen alle etwa im gleichen Abstand voneinander entfernt. Nach Rothenburg sind es etwa 58 Kilometer (2 Tagesmärsche), von Cronheim nach Eichstätt 52 Kilometer (2 Tagesmärsche), von Cronheim nach Nürnberg ungefähr 56 (2 Tagesmärsche) und nach Aalen sind es etwa 59 Kilometer (2 Tagesmärsche). Harburg liegt mit rund 39 Kilometer einen langen, Weissenburg mit 25 Kilometern einen kurzen Tagesritt entfernt. Dies sind meines Erachtens alles Gute Gründe für die Route via Cronheim. Das Cronheim dennoch nicht zu einer blühenden Stadt im Mittelalter wuchs hatte Gründe. Wohl bereits wenige Jahrzehnte nach der möglichen Erbauung des festen Hauses in Cronheim um 1140 hatte sich die Lage im Reich verändert. Wie der Verkauf von Gütern der Abenberger an Kaiser Barbarossa, dem Enkel Konrads, 1158 nahelegt, waren die Abenberger schon kurze Zeit nach dem Ausbau Cronheims und dem Tod König Konrad von Staufen zu einem Ettapenziel keine Bedrohung mehr für die Staufer. Denn "Barbarossa" verfolgte ohnehin eine andere Politik als sein Onkel wie dessen Haltung beim Streit zwischen Konrad und Heinrich dem Löwen um das Herzogtum Bayern deutlich macht. Dabei unterstützte Barbarossa letzteren und nicht seinen Onkel König Konrad. Nach der Krönung "Barbarossas" zum Deutschen König stellten Reisen durch Abenbergisches Gebiet wohl nicht weiter eine mögliche Gefahr dar. Cronheim verlor deshalb an strategischer Bedeutung für die Staufer. Nicht auszuschliessen, dass bereits mit dem Tod König Konrads am 15. Februar 1152, der Ausbau der Anlage in Cronheim ein frühzeitiges Ende fand und sie von dessen Nachfolgern nur noch in einem sehr bescheidenen Masse abgeschlossen wurde, wie die Zeichnung der Schlossanlage Cronheim die um 1670 entstand vermuten lässt. Ganz aufgegeben wurde es dennoch nicht denn die anderen genannten Vorteile blieben weiterhin bestehen. Erst mit dem Tod des letzten Staufers 1252 wurde es meines Erachtens zu einem gewöhnlichen Lehen der Oettinger. Mich würde nicht wundern, wenn der Wohnturm, auf dessen Grundlage das heutige Schloss Cronheim beruht, erst um diese Zeit errichtet wurde.

 

Bleibt abschliessend die eingangs gestellte Frage zu den Gebäuden in Cronheim zu klären.

 

In Cronheim lassen sich die oben beschriebenen Merkmale eines Königshofs durchaus in den historischen Gebäuden finden. Nehmen wir dazu einmal an, dass der Wirtschaftshof nicht als gewöhnlicher Bauernhof sondern als Saal- und Wohnbau des Königshofs geplant war. Der Wirtschaftshof war bereits vor dem Ausbau zur Vorburg Mitte des 14. Jahrhunderts mit einer eigenen Ringmauer bewehrt. Darüber hinaus verfügte er über einen sehr grossen, beheizten Saal dessen Raumhöhe, gemäss der Zeichnung die um 1670 entstand, doppelt so hoch war wie in den Räumen im Norden des Gebäudes. Der Eingang im Westen des Gebäudes war ebenerdigAuch die Dimensionen des ürsprünglich rechteckigen Gebäudes (ca. 29 x 12 Meter) sowie die massiven Zwischenwände gehen mit dem Muster bekannter Königshöfe einher (vgl. Kaiserpfalz Wimpfen, Romanisches Haus Bad Kösen). Interssanterweise ist auch der Palas der Kaiserpfalz in Wimpfen ähnlich unterteilt wie der Wirtschaftshf in Cronheim. Nach Scherzer gehörte auch ein Wachturm zur Ausstattung eines fränkischen Königshof.[12] Dem heutigen Kirchturm könnte diese Rolle ursprünglich angedacht worden sein. Interessanterweise befindet sich der Eingang zum heutigen Glockenturm in etwa 6 Metern Höhe im Dachstuhl des heutigen Kirchenschiffs, wie es damals bei Wohntürmen typisch war. War dem so, dann befand sich zwischen vermeindlichen Saalbau und Wachturm ein ungewöhnlich grosser Abstand. Geht man aber davon aus, dass auch ein größeres Gefolge in Cronheim aufgenommen werden musste bedurfte es ausreichend Platz um dort auch Zelte aufschlagen zu können, was dies erklären könnte. Das wiederum macht nur Sinn wenn die beiden Gebäude über eine gemeinsame Ringmauer verfügten. Dafür fehlen jedoch die Anzeichen. Also doch kein Königshof? Wie ich nun vermute, wurden die Bautätigkeiten bereits kurze Zeit nach dem Baubeginn zurückgefahren, wohl daher, da sich die politische Lage um die Staufer nach der Wahl Barbarossas, dem Enkel Konrads, zum deutschen König veränderte. Der Bau des Saalbaus wurde in vereinfachter Form vollendet. Man verzichtete aber auf ein durchgängiges zweites Stockwerk. Dies würde erklären warum nur im Südwesten des Gebäudes zwei Vollgeschosse zu erkennen sind. Auch die Ringmauer die Turm und Saalbau verbinden sollte wurde nie gebaut, nicht fertiggestellt oder bestand eventuell lediglich in einer einfachen Holzpalisade oder einem Flechtzaun. Eine massive Ringmauer beschränkte sich auf einen kleinen Innenhof im Norden des Gebäudes. Für eine kleine Reisegesellschaft oder besser gesagt dem höher gestellten Teil davon, reichte dies allemal aus. Ein separater Innenhof mit eigenem Tor gehörte nach Scherzer zum Schema eines fränkischen Königshof. Den Wohnturm der Herren von Cronheim, vermute ich als ein Werk aus einer späteren Bauphase. Dieser stammt wohl, wie bereits angedeutet, aus der Zeit Mitte des 13. Jahrhunderts als sich der Oettingische Amtmann von Laufenbürg nach Cronheim benannte. Vielleicht war es ihnen nicht erlaubt die staufischen Gebäude für ihre Zwecke zu nutzen. Wahrscheinlicher ist, das dies zunächst kein Wohnturm sondern lediglich ein einstöckiges Steingebäude war. Dafür spricht, dass es im Erdgeschoss einen Eingang gab und Fensternischen zum Hof hin vorhanden waren (gemäss Grundrissplan des Schlosses). Für einen Wohnturm aus dieser Zeit kennt man solche Merkmale eigentlich nicht. War dies zum Beispiel das Vogtshaus oder was noch wahrscheinlicher ist, die ursprüngliche Zehntscheune, dann macht es durchaus Sinn. War es in der Tat die erste Zehntscheune die 1397 im Streit zwischen Hans von Cronheim und den Herren von Wiesentau abgebrannt wurde, liessen sich auch die Brandspuren wesentlich besser erklären als von dem vermeindlichen Angriff des Nürnberger Burggrafen im Jahr 1403. Warum sollte er auch die Burg in Schutt und Asche legen um deren Freisetzung 1397 kein anderer als Hans von Cronheim vor dem Nürnberger Landgericht geklagt hatte? - Nach dem Motto: "Guter Hans hier hast du Deine Burg zurück für deren Hilfe du mich gerufen hast. Sie ist zwar nun zerstört aber du kannst sie ja wieder aufbauen..". 

 

Schlussbetrachtung

Nicht nur die geographische Lage sondern auch Verkehrsanbindung, Besitzverhältnisse, Gebäude, Distanz und Politische Verhältnisse sprechen für einen möglichen Königshof der Staufer in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts am Standort Cronheim. Dazu fügen sich geschichtliche Überlieferunen sowie Grabungsergebnisse dieser Theorie nahtlos ein. Die Frage ob sich in Cronheim tatsächlich ein Königshof befand und dieser, wie vermutet im historischen Pfarrhof aufiging, lässt sich nur durch fachmännische Untersuchungen bestätigen. 

 


  

1] Manfred Nawroth: Das Reitzubehör, in Kaiserburg-Museum, S. 12, Verlag des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, 2001

[2] Monumenta Zollerana. Quellensammlung zur Geschichte des erlauchten Hauses der Grafen von Zollern und Burggrafen zu Nürnberg, Bd. 1, S. 15/16

[3] Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, Band 1, S. 276

[4] RI IV,1,2 n. 689, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1150-08-20_1_0_4_1_2_691_689

[5] WUB Band II., Nr. 334, Seite 57-58

[6] RI IV,2,1 n. 176, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1153-05-29_1_0_4_2_1_176_176 und RI IV,2,1 n. 177, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1153-05-29_2_0_4_2_1_177_177

[7] RIplus | SFG: Regg. B/DK Augsburg 2 n. 18

[8] Monumenta Zollerana. Quellensammlung zur Geschichte des erlauchten Hauses der Grafen von Zollern und Burggrafen zu Nürnberg, Bd. 1, S. 15/16

[9] Forschungen zur reichs- und rechtsgeschichte Italiens, Band 4a, S. 158 und Jahrsbericht des Historischen Vereins im Rezat-Kreis, Band 6, S. 43

[10] RI IV,1,2 n. 244, in: Regesta Imperii Online

[11]  RI IV,1,2 n. 651, in: Regesta Imperii Online

[12] vgl. Conrad Scherzer: Franken Land, Volk, Geschichte und Wirtschaft, Band I., Nürnberg : Verl. Nürnberger Presse, 1955, 1959., 1955

[13] https://v.bayern.de/knMhn

[23] General Leutnant z. D. von Sarway in Charlottenburg: Römische Strassen im Limesgebiet, 1899. In Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. S. 125

 

 

 

 

 

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© M. Schäfer